Editorial

Der Papstbesuch

Mit meiner Begeisterungsfähigkeit ist es offenbar nicht mehr weit her: Obwohl ich Papst Franziskus sehr schätze, versetzt mich sein geplanter Besuch in Genf nicht in Aufregung.

Der 21. Juni wird ein minutiös durchgeplanter Tag sein, mit viel Händeschütteln, Symbolhandlungen und Grussadressen. Selbstverständlich wird er zu einem Medienereignis werden – aber er wird weitgehend auch ein Medienereignis bleiben.

Zwar erhoffe ich mir vom Besuch beim Weltkirchenrat mehr als bloss ein höfliches Zeichen der Wertschätzung. Aber alles, was hier an ökumenischem Fortschritt geschehen könnte, wird mit Sicherheit nicht in der medialen Öffentlichkeit sichtbar werden. Wir müssen darauf vertrauen, dass hinter verschlossenen Türen nicht nur diplomatischer Smalltalk gepflegt wird.

Auch für den Gottesdienst in den Palexpo-Hallen wünsche ich mir für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer, dass diese Feier für sie ein Erlebnis wird, das nachhaltiger wirkt als die üblichen Mega-Events. Aber diese Nachhaltigkeit, die wird sich in der Stille des Einzelnen entfalten und nicht in der Demonstration der Masse.

Für uns im Kanton Zürich viel entscheidender wird hoffentlich ein öffentlich beinahe unbemerktes Ereignis sein: Am 16. April wurde Peter Henrici, emeritierter Weihbischof unseres Bistums, von Papst Franziskus zu einer Privataudienz empfangen. Und obwohl ich nicht weiss, worüber die beiden Männer gesprochen haben, so vertraue ich doch darauf, dass sie sich über uns unterhalten haben, über das Bistum Chur und dessen immer noch anstehende Bischofswahl.

Auch wenn daraus momentan kein Medienereignis werden kann, so hoffe ich doch inständig, dass dieses Gespräch unter vier Augen zu einem erfreulichen Kirchenereignis beitragen wird.

Text: Thomas Binotto