Selbsthilfe-Treff

Erwerbslose helfen sich

Gerade noch mitten im Berufsleben, und plötzlich entlassen. Dann bietet der Selbsthilfe-Treff Inputs und Austausch.

«Ich war selber längere Zeit arbeitslos», sagt Hans Peter Murbach aus dem Leitungsteam des Treffs für erwerbslose Fach- und Führungskräfte. Als 54-jähriger Elektro-Ingenieur war es nicht leicht, wieder Tritt zu fassen. «Ich habe mich dann entschieden, etwas ganz Anderes zu machen: als Geschäftsleiter die schweizerische ökumenische Internet-Seelsorge weiterzuentwickeln.»
Für den Erwerbslosen-Treff hat er in Freiwilligenarbeit ein Konzept erarbeitet, das seit 13 Jahren umgesetzt wird: Jeden Dienstag trifft sich in Zürich-Oerlikon eine offene Gruppe von erwerbslosen Menschen zum Austausch, zur Diskussion aktueller Themen oder zu Impulsreferaten von Fachpersonen. 

Die Kirchgemeinde Oerlikon stellt Räume zur Verfügung. Kaffee und Gipfeli, jährlich einen Ausflug und ein Weihnachtsessen offeriert der reformierte Stadtverband. Ein Psychologe mit einer bescheidenen Entschädigung moderiert die Gruppe, und Murbach als Koordinator sorgt dafür, dass Einladungen und Protokolle an alle versandt werden. «Alles andere kommt von den Betroffenen selbst», sagt er. Welche Themen besprochen oder welche Referenten eingeladen werden, zum Beispiel. Oder nebst dem Austausch bilden sich spontane Wander- oder Kochgruppen.
«Plötzlich stehst du ohne Stelle und mit einem dicken Klumpen im Magen da», sagt ein Betroffener. «Dies allein durchzustehen ist sehr problematisch.» Deshalb sei er froh gewesen, auf eine Gruppe zu stossen, «die in dieser Situation das Beste macht». Es gibt immer wieder Wechsel in der Zusammensetzung: «Jemand findet eine Stelle oder organisiert sich anders», sagt Murbach. «Neue stossen dazu.»

Die Zunahme von Langzeitarbeitslosen macht Murbach Sorgen: «Ausgesteuerte werden in der Arbeitslosen-Statistik nicht gezählt. Einige wollen auch nicht Sozialhilfe beziehen. Sie verschwinden aus dem Blickfeld der Gesellschaft.» Da versucht der Treff Gegensteuer zu geben. Welches sind die wichtigsten Tipps, die Betroffene einander geben? «Sich nicht zurückziehen! Unbedingt ein Netzwerk von Beziehungen pflegen oder aufbauen, das auch ausserhalb des Berufes funktioniert», sagt Murbach sofort. «Offen sein für Neues, akzeptieren, wenn im bisherigen Beruf keine Stelle mehr zu finden ist. Sich selber Strukturen geben, ein Hobby oder Freiwilligenarbeit pflegen, positive Erlebnisse suchen, sich damit stärken.»

Text: Beatrix Ledergerber-Baumer

Angebot laufend

Jeden Di, 9.00–11.00, Baumackerstr. 19,

Zürich-Oerlikon. Ohne Anmeldung.

www.selbsthilfe-zuerich.ch