Meine Sternstunde

«Es chunt alles zrugg»

Säule 4. Vollgetankt. Mein Portemonnaie zu Hause.

Hinter mir eine Schlange. Die Kassiererin ist überfordert. Sie können nicht bezahlen? Nein. Habe nichts vorzuweisen, das meine Vertrauenswürdigkeit belegen könnte.

«Hier.» – Der Fremde hinter mir streckt mir 100 Franken entgegen.

«Geh nie unachtsam an einem Bettler vorüber.» – «Heute höre ich auf mein Herz.» – «Wenn’s pöpperlet, gebe ich.» Ich krame im Portemonnaie. Lege dem schlanken Mann fünf Franken in die Hand. «Genug?» – «Reicht knapp für die Notschlafstelle. Aber ich danke dir.» Ich krame weitere 5 Franken. Strahlende Augen. «Es chunt alles zrugg. Glaub miers!» Seine ehrliche Freude. Was will ich mehr.

Ich eile zum Zug. Gern würde ich mir einen Klassenwechsel gönnen. «19 Franken», sagt die SBB-Angestellte. – «Das ist zu viel. Dann halt doch in die 2. Klasse.» – «Warten sie. Ich mache eine Ausnahme: Für zehn Franken in die Erste.»

«S’chunt alles zrugg» singt mein Herz.

Text: Andrea Thali, Flughafenseelsorgerin

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Ein Licht, das mir aufgegangen ist.

Dieses Mal mit…

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Andrea Thali, Flughafenseelsorgerin