150 Jahre Kolping Schweiz

Jassen und spenden

Der ehemalige Gesellenverein Kolping Schweiz ist 150 Jahre alt – und heute als weltweites Sozialwerk tätig.

Vom Hinterhof führt eine Treppe ins Kellergeschoss, wo überraschend ein gemütliches, mit Holz verkleidetes «Stübli» auftaucht. Die Wände sind bedeckt mit Zinntellern, Wimpeln und Sprüchen, rund um die Holztische gruppieren sich die Jasserinnen und Jasser des heutigen Kolping-Nachmittages. Ursula Hungerbühler hat schon einen Zvieri und Getränke bereit. «Seit 38 Jahren bin ich fürs Trinken und Essen bei allen Anlässen zuständig», sagt sie.

Der Jassnachmittag ist einer der regelmässigen Anlässe des Kolpingvereins St. Peter und Paul. «Früher gab es in acht Pfarreien Kolping-Gruppen, die im Stadtzürcher Gesamtverein zusammengeschlossen waren», erzählt Bruno Atzrodt aus dem erweiterten Vorstand. Heute sind es noch zwei. Doch es läuft immer etwas: Neujahrsapero, Herbstausflug, Besinnungsnachmittag … Bruno Atzrodt nimmt zudem jedes Jahr an der europäischen Friedenswanderung teil, «wo unsere Fahne immer die schönste ist», meint er stolz: «Weil neben dem Kolping-Wappen auch die beiden Heiligen Peter und Paul abgebildet sind.»

Adolph Kolping gründete ursprünglich einen Standesverein mit Unterkünften für wandernde Handwerksburschen. Der deutsche Priester und Sozialreformer, selber Schuhmacher, wollte den jungen Menschen neben der beruflichen Ertüchtigung eine christliche Gemeinschaft ermöglichen, was in der damals beginnenden Industrialisierung besonders wichtig war. «Im Kolping-Gesellenverein Appenzell fühlte ich mich erstmals so richtig zu Hause», erinnert sich denn auch George Fuchs. Später hat er in Zürich die Kolping-Krankenkasse geführt, die seit Anfang dieses Jahres zu Sympany gehört.

«Viele der schweizweit 75 Kolping-Familien bieten Gemeinschaft und Freizeitangebote für ihre Mitglieder», sagt Margrit Bachmann, Kolping-Regionalleiterin. «In einigen Gruppen gibt es auch junge Familien.» Diese treffen sich zum Beispiel in der Kolping-Erlebniswoche vom 6. bis 13. Oktober in Lignerolle (Jura). Über die Sozial- und Entwicklungshilfe von Kolping Schweiz engagieren sich die Mitglieder für Projekte in der ganzen Welt, unter anderem in Indien, Bolivien oder Tansania. «Aus dem ehemaligen Gesellenverein ist ein weltweit vernetzter Sozialverband entstanden, der die Nöte der Zeit erkennt und mit konkreten Projekten darauf antwortet», sagt sie.

www.kolping-zuerich.ch

Text: Beatrix Ledergerber-Baumer