Weltjugendtag

«Die Wurzeln sind nicht tot»

Am nationalen Weltjugendtag (WJT) vom 28./29. April in Freiburg nahmen mehr als 1000 junge Leute teil.

Kardinal Kurt Koch ist beeindruckt vom Glaubenszeugnis der Jugendlichen, sowohl am Samstag beim Gebet als auch am Sonntagmorgen während der Messe. «Welche Freude, diese Kathedrale voll mit all diesen jungen Leuten zu sehen!» Auch Jugendbischof Alain de Raemy wird von den Jugendlichen in Beschlag genommen. Überall Grüsse und Erinnerungsfotos – der Bischof weiss nicht mehr, wo ihm der Kopf steht. Vor der Kathedrale sieht man von ihm in der dichten Menge nur noch die Mitra, den Bischofshut. «Diese jungen Leute sind ein Geschenk des Himmels. Sie sind anspruchsvoll, aber auch sehr dankbar, wenn wir uns für sie einsetzen», erklärt der Weihbischof von Lausanne, Genf und Freiburg. Auch der Bischof von Sitten, Jean-Marie Lovey, Weihbischof Marian Eleganti und der Abt von Saint-Maurice, Jean Scarcella, die den Gottesdienst mitfeierten, sind gut gelaunt.

Dank des Weltjugendtags ist Benjamin «tief im Glauben». Er stammt aus Vétroz (VS) und studiert Rechtswissenschaften an der Universität Freiburg. Das sei allerdings nicht immer so gewesen. «Der Pfarrer meines Dorfes kam auf mich zu, als ich nicht mehr praktizierte», erinnert sich der junge Mann. Er freut sich nun, wenn er junge Menschen an solchen Grossveranstaltungen trifft. «Wir sind nicht allein!»
Der Tag geht weiter mit einem Austausch im Zelt des Weltjugendtag-Dorfes. Die Jugendlichen reden nach Sprachgruppen aufgeteilt über Vertrauen, Gebet, Angst und die Art und Weise, wie sie ihren Glauben erleben. Anschliessend geht Benjamin mit einer Gruppe von rund hundert Jugendlichen zur Kirche der Ursulinen, wo sie von Lovey zur Katechese erwartet werden.

Das Gespräch dreht sich um den Platz der Frauen in der Kirche, Abtreibung und das Charisma. Dazu erklärt der Bischof von Sitten, dass es sich um ein Geschenk Gottes handelt und als solches kostenlos ist. «Du bekommst es nicht für dich selbst, sondern um anderen zu helfen, zu wachsen.»
Eine junge Frau stösst das Thema «Selbstmord» an. Sie erzählt von einer Freundin, die sich «trotz aller Zuneigung und Liebe, mit der sie umgeben war», das Leben nahm. «Was soll ich sagen über eine Tat, die so schwer und gewalttätig ist?» Bischof Lovey erklärt, dass der Tod, wie gewalttätig er auch sein mag, nicht das letzte Wort hat. «Jenseits der Tat bleibt der Mensch, bleibt die Liebe. Unser Leben hier auf Erden ist nicht das ganze Leben und unsere christliche Hoffnung öffnet die Türen zu etwas Anderem», erklärt der Bischof. Dann schlägt er vor, für diese Person zu beten. «Möge der Herr ihr seine Arme und sein Herz öffnen», bittet er, bevor er zum Vaterunser ansetzt, gefolgt von der Gemeinde, die sofort aufsteht, um mitzubeten.

Für den Lobpreis und ein Betrachtungswort kehren Hunderte von Jugendlichen in die Kathedrale zurück. Zum Abschluss gibt es viele Dankesworte und Applaus. Weihbischof Alain de Raemy erteilt den Schlusssegen und entlässt die Jugendlichen nach Hause. Zu einem letzten Händeschütteln platziert er sich vor der Kathedrale. «Es gibt Früchte, die Wurzeln sind nicht tot», bemerkt er lächelnd.

Text: Bernard Hallet, cath.ch