Stolpersteine: Symbol

Nicht selbstverständlich

Weil Symbole über sich hinausweisen, gäbe es ohne sie keine Religion, kein Christentum, keine Kirche. Um sie zu verstehen, braucht es aber eine «Sprachschule» für die Vielfalt von Symbolen.

Ein Herz, auf das Pult der Nachbarin gemalt, der Stinkefinger auf dem Matheheft, ein Fussball auf der Hand, darunter steht Grasshoppers Zürich – das sind Symbole, die Kinder und Jugendliche benutzen, weil sie über den eigentlichen Gegenstand hinausweisen. Das Herz möchte sagen «Ich mag dich!» und gestaltet so eine Beziehung. Der Stinkefinger zeigt, dass Mathe nicht unbedingt das Lieblingsfach ist. Der Fussball signalisiert Zustimmung und sagt: «Das ist ein Teil von mir, den finde ich gut!».

Weil Symbole über sich hinausweisen, gäbe es ohne Symbole keine Religion, kein Christentum, keine katholische Kirche: Wer einem Kind oder seinem Ehepartner ein Kreuzzeichen auf die Stirn zeichnet, begeht eine symbolische Handlung. Wenn ein Kind getauft wird, steht das Symbol Wasser im Zentrum, Ostern und Weihnachten brauchen unbedingt das Licht als Symbol.

Zwar hat unsere christliche Kirche eine jahrhundertealte Tradition mit Symbolen. Weil Symbole aber uneindeutig sind und nicht selbstverständlich aus sich sprechen, halte ich es für eine der wichtigsten Aufgaben von Seelsorge, Religionsunterricht und Katechese, dass wir Kinder, Jugendliche und Erwachsene beim Symbolisieren begleiten. Die Pfarrei kann dabei zu einer «Sprachschule» für die Vielfalt von Symbolen werden, ein spannendes Projekt! Da jeder Mensch einen eigenen Zugang zu Symbolen hat und eigene symbolische Ausdrucksformen kennt, tut sich ein grosser Reichtum auf, wenn wir Symbole stärker im kirchlichen Leben unserer Pfarreien sprechen lassen.

Beim Gemeindefest einer Pfarrei namens St. Peter und Paul wurden vor dem Gottesdienst sogenannte «PP-Cards» verteilt. Die laminierte PP-Card im Format von Kreditkarte oder Cumulus-Card passt ideal in den Geldbeutel. Oben rechts führt ein QR-Code direkt auf die Internetseite mit allen Angeboten der Pfarrei. Die Card mit der Aufschrift: «Hier bist Du richtig!» enthielt ausserdem die Slogans «Unbegrenzt gültig und übertragbar». Das Segensgebet auf der Rückseite wurde im Gottesdienst gemeinsam gesprochen. Eine Mutter erzählte, sie habe die PP-Card immer im Portemonnaie und manchmal bete sie es beim Warten vor der Kasse. Dies ist eine wichtige Funktion von Symbolen: Zugehörigkeit ausdrücken. Der Pfarrei St. Peter und Paul ist das Symbolisieren perfekt gelungen.

Text: Christian Cebulj, Professor für Religionspädagogik und Katechetik