Editorial

Vorsorgen fürs Diesseits

Ich habe mich meiner Endlichkeit gestellt. Handschriftlich. Seit Testament und Vorsorgeauftrag geschrieben sind, weht mir der Pfingstgeist überall.

Zugegeben: Es begann mit längerem Zögern und einem tiefen Seufzer. Wie sorge ich für Krankheit, Urteilsunfähigkeit oder Tod vor? Jetzt, mitten im Leben, wo ich noch fit und gesund bin. Doch das Leben gleicht einer Wanderung auf einem schmalen Grat. Glück hat, wer nicht stolpert. Gesundheit ist trotz steigender Lebenserwartung nicht selbstverständlich. Und dereinst werde auch ich meine Augen für immer schliessen.

Sorgsam suchte ich aus verschiedensten Quellen die benötigten Informationen zusammen. Das dauerte seine Zeit. Und auch wenn sich im Leben nicht alles regeln lässt: Irgendwann habe ich mich in Ruhe hingesetzt und den drängenden Fragen gestellt. Es fühlte sich einfacher an als gedacht. Im Schreiben reflektierte ich zwangsläufig, was das Leben für mich lebenswert macht, was mir wichtig ist – und natürlich, welche Menschen ich zu meinen Liebsten zähle. Seither weiss ich das Leben und mein nächstes Umfeld noch mehr zu schätzen. 

Als ich vor meiner Vergänglichkeit nicht mehr die Augen verschloss, öffnete sich mir auch der Blick auf den Grund des Lebens. Und während ich so schaute, spürte ich plötzlich den Geist Gottes, die schöpferische Kraft in mir, die mich stets mit neuer Energie erfüllt und mir neue Horizonte erschliesst. Die mich trägt, wenn's mal schwierig wird, und mir Kraft zum Neuanfang gibt. Und ich wusste: Vorsorgen muss ich allenfalls fürs Diesseits. Im Jenseits wird für mich bestens gesorgt. 

Hätte ich geahnt, dass sich das Pfingstwunder auch bei der Vorsorgeplanung ereignen kann: Mein Testament hätte ich bestimmt schon viel früher geschrieben.

Text: Pia Stadler