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Wilde Schönheit

An Pfingsten scheint alles klar: «Sie lobten Gott und fanden Gunst beim ganzen Volk. Und der Herr fügte täglich ihrer Gemeinschaft die hinzu, die gerettet werden sollten.»

Aber wie die Kirchengeschichte zeigt, war dann doch nichts endgültig klar, begradigt, gebündelt und arrangiert.
Daran erinnern die Pfingstrosen auf unserem Titelbild. An ihnen ist keine perfekte Symmetrie zu erkennen, keine endgültige Harmonie. Vielmehr ungezähmte Linien, widerspenstige Blätter, geschlossene Blüten.

Und doch hat man im Spätmittelalter nach der heilenden Kraft der Pfingstrose, die man bereits seit der Antike kannte, auch ihre Schönheit entdeckt. Sie wurde zur Zierde für Paradiesgärten, zur «Königsblume».
Wie viele Pfingsten brauchen wir noch, um die Schönheit eines Christentums zu entdecken, an dem nichts klar, begradigt, gebündelt und arrangiert ist? Wann sind wir bereit für den Geist Gottes, der uns aufrüttelt statt in Sicherheit wiegt?

Text: Thomas Binotto