Meine Sternstunde

Die Wichtigkeit von kleinen Diensten

Matthias Westermann, Pfarreibeauftragter in Küsnacht, wurde von einer verstorbenen Altersheimbewohnerin mit einer Sternstunde beschenkt.

«Wir haben da noch was für Sie.» Eine Pflegekraft im Altersheim überreichte mir einen Umschlag, als ich gerade das Zimmer verliess, in dem ich Abschied genommen hatte von einer eben verstorbenen hochbetagten Bewohnerin. In leicht zittriger «Schnürlischrift» hatte die Verstorbene ein letztes Mal das Wort an mich gerichtet. 

Erinnerungen kamen in mir hoch. Bei meinen Besuchen hatte sie mir vieles aus ihrem Leben erzählt: Aufgewachsen in einfachsten Verhältnissen, früh die Schule verlassen, zeitlebens Dienstmädchen. Mit langen Arbeitstagen, wenig Lohn, ausgenutzt, alleinstehend und alleingelassen. Was sie da offenbarte, machte mich oft fassungslos. 

Sogar um das Recht des sonntäglichen Kirchganges musste sie kämpfen. Und dies sei doch ihr einziger Halt in diesen schwierigen Zeiten gewesen.

Ihr Brief endete mit den Worten: «Danke, dass Sie mich immer getröstet haben.»

Getröstet bin ich nach Hause gegangen. Offensichtlich weiss man nie, was ein noch so kleiner Dienst den Menschen bedeutet.

Text: Matthias Westermann