Im Klostergarten Fahr

«Ich bin eine Erdige»

Klostergärten sind Tore ins Paradies. Gepflegt werden sie in Fahr unter anderem von Schwester Beatrice. Augenschein einer Leidenschaft.

Das Erste, was an diesem Frühlingsmorgen im Kloster Fahr auffällt, ist die schier unglaubliche Vielfalt an Vogelgezwitscher. Das Zweite: die bezaubernde Vielfalt an Gärten. Da liegt behütet wie ein kostbares Juwel der barocke Kreuzgarten im Innenhof von Kirche und Klostertrakten. Auf kleinen, von Buchs umgebenen Beeten gedeihen rund 40 verschiedene Heil- und Küchenkräuter, in der Mitte sprudelt ein Brunnen. Zur Limmat hin windet sich eine ausladende Kräuterspirale der Sonne entgegen. Vor der Klosterküche wachsen im grossen Nutzgarten Blumen und Gemüse. Und neben der Klosterpforte erinnert der Propsteigarten mit seinem Wegkreuz an einen mittelalterlichen Bauerngarten.

Mit prüfendem Blick begutachtet hier Sr. Beatrice ihre Beete, knipst einzelne Blätter ab, lässt Erde durch ihre Finger rieseln. Ihr Daumen ist so grün wie ihre Gärtnerinnen-Schürze. «Ich bin eine Erdige», sagt sie und sucht nach einem geeigneten Platz für die Stangenbohnen-Samen, die sie geschenkt bekommen hat – eine alte Sorte namens «Klosterfrau». Die Pflege alter Sorten ist ihr Steckenpferd, genauso wie die Kräuter und der naturnahe Anbau, auf den sie setzt.

Früher war hier der Schulgarten der Bäuerinnenschule, die von 1944 bis 2013 zum Kloster Fahr gehörte. 17 Jahre lang hat Sr. Beatrice das Fach Gartenbau unterrichtet. Wegen der Bäuerinnenschule ist sie, die auf einem Bauernhof im Thurgau aufgewachsen ist, überhaupt auf Fahr aufmerksam geworden. Sie absolvierte die Ausbildung und träumte von einem eigenen Hof. «Doch dann spürte ich, dass da noch mehr war. Dass Fahr der Ort war, an dem ich leben möchte», sagt sie. 1969 ist sie mit 22 Jahren ins Kloster eingetreten.

«Fahr ist meine Heimat geworden – der Garten meine Leidenschaft.» Die Arbeit mit den Händen und dem Boden lasse sich bestens mit dem Gebet verbinden. In der Stille findet sie Gott. Spricht sie nicht mit ihm, redet sie mit den Pflanzen. Ermuntert einen Lavendel, der nicht gedeihen will; lobt die Rosenmelisse für ihre üppigen Triebe, den Ananassalbei für seinen Duft; schwärmt von den Blüten der Haferwurz. Zu jeder Pflanze weiss sie eine Geschichte zu erzählen. «Ist sie nicht wunderbar, diese Fülle hier?», fragt sie. Natürlich: für Auge, Nase – und auch fürs Ohr.

Text: Pia Stadler

Angebot laufend

Offene Gärten im Kloster Fahr

Sa, 16. Juni, 9.00–16.00;
So, 17. Juni, 13.00–15.30

Rundgang mit Sr. Beatrice Beerli durch den barocken Kräutergarten, den Hildegarten (Naturgarten) und zur Kräuterspirale. 

Ohne Anmeldung, kostenlos.

www.kloster-fahr.ch

Angebot laufend

In loser Folge stellen wir ab dieser Nummer in der «Boutique» Kräuter aus dem Klostergarten Fahr vor.