Stolperstein: Weltuntergang

Sorge tragen

Was sich nicht alles finden lässt im Internet! Gesucht habe ich den Weltuntergangstermin vom 33. Mai.

Gefunden habe ich die erstaunliche Entdeckung, dass ich dieses Jahr schon zwei prophezeite Weltuntergänge überlebt habe. Am 4. Februar und am 19. März 2018 hätte – nach gewissen Theorien – die Welt untergehen müssen.
Als Kind habe ich ein Buch gelesen, in dem stand, dass am 33. Mai die Welt untergehe. Von dem Buch fehlt jede Spur. Habe ich das nur geträumt? Die Idee, den Weltuntergang auf den 33. Mai festzulegen, fand ich super. Ich wusste ja, dass es keinen 33. Mai gibt, also auch keinen Weltuntergang!

Und dennoch: Wir Menschen arbeiten mit allen Mitteln auf das Ende der Erde hin. Mit den heute existierenden Waffen könnte die Welt um ein Vielfaches vernichtet werden. Auch der Raubbau an Mutter Natur ist erschreckend. Wir leben längst auf Kosten zukünftiger Generationen und anderer Erdteile.
2017 reichten die Ressourcen der Erde bis am 2.  August, ein Jahr zuvor war es noch der 8.  August. 1,7 Erden bräuchte die Weltgemeinschaft. Würden aber alle Menschen so leben wie wir in der Schweiz, wären es sogar 3,3 Erden. Das entnehme ich der Fastenopferbroschüre 2018.

Wir machen also zügig vorwärts, wir Menschen. Wir übernutzen die Erde… und uns selber.

Ich liebe die Erde, die Natur, die Jahreszeiten, das Leben. Manchmal komme ich mir dennoch hilflos vor in meinem Bemühen, Sorge zu tragen zur Mitwelt. Und immer wieder bin ich mir bewusst, wie viel auch ich zur Übernutzung der Erde beitrage. Allein bin ich bald erschöpft, überfordert und entmutigt. Im Kreis von Verbündeten, im Austausch mit Mitstreitenden fühle ich mich kreativ, aktiv, getragen und ermutigt.
«Wir müssen die Solidarität globalisieren.» Das sagt Bischof Alvaro Ramazzini aus Guatemala. Die katholische Kirche ist der älteste globale Player der Erde und hat somit die beste Möglichkeit, ernst zu machen mit der globalisierten Solidarität. Also machen wir mit!

Ob nun der Weltuntergang am 30. Mai, wie in einem Trinklied besungen, oder am 33. Mai kommt, ich halte mich an Martin Luther: «Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.»

Text: Rita Inderbitzin, Seelsorgerin Bahnhofkirche Zürich