Heimat

Beziehung schafft Geborgenheit

Im Gespräch mit Luk De Crom, Leiter Pflegedienst am Rehabilitationszentrum des Kinderspitals Zürich in Affoltern am Albis.

Für Kinder und ihre Familien ist das Rehabilitationszentrum in Affoltern am Albis ein zu Hause auf Zeit. Haben die Kinder Heimweh nach ihrem zu Hause?
Luk De Crom: Das ist sehr unterschiedlich. Hier zeigen sich die verschiedenen kulturellen Prägungen. Hat eine Familie mehrere Kinder oder wohnen sie auf einen Bauernhof, kann es sein, dass die Kinder es eher gewohnt sind, dass sich die Eltern in ihren Aufgaben teilen müssen. Wenn Mutter oder Vater viel daheim sind, und es beispielsweise nur ein Kind gibt, kann die Interaktion zwischen dem Kind und seinen Eltern ganz anders aussehen. Allerdings kann es auch genau umgekehrt sein. Es ist sehr individuell und unterschiedlich. Grundsätzlich sind wir ein Familienspital mit einer familienzentrierten und familienorientierten Haltung.

Was bedeutet das genau?
Wir versuchen immer zu schauen: Was ist für die Familie und für ihr Funktionieren wichtig? Wie kann sie im pflegerischen und therapeutischen Alltag einbezogen werden? Wir schauen gemeinsam, was die Bedürfnisse sind und was möglich ist, aber auch was nicht möglich ist. Viele Familien wünschen, dass zumindest ein Familienteil hier bleiben kann. Das ist auch Bestandteil der Charta für Kinder im Spital. Es gibt im Rehabilitationszentrum das «rooming in», bei dem ein Elternteil wirklich im Zimmer bei dem Kind schlafen kann – oder aber die Eltern schlafen im Elternhaus hier auf dem Gelände. Nach einem akuten Ereignis zum Beispiel einem Verkehrsunfall oder einer Hirnblutung wollen viele Eltern so viel wie möglich hier sein. Irgendwann kommt aber auch der Alltag wieder. Viele Kinder lernen im Verlauf der Rehabilitation, zumindest teilweise alleine hier zu bleiben. Grundsätzlich gibt es aber nicht nur ein richtiges Modell.

Fühlen sich die Kinder im Rehabilitationszentrum zu Hause?
Wir schaffen eine Atmosphäre, in der die Kinder sich wohl fühlen und ein Stück weit daheim sein können. Meist gelingt uns das gut – und auch den Kindern. Der Grundstein für das Wohlfühlen ist die Geborgenheit, die über gute Beziehungen entsteht. Deswegen das «caring», also das «sich sorgen» um das Wohl des Patienten, eine wichtige Aufgabe der Pflegefachpersonen. Die Begegnungen sind der wesentliche Schlüssel. In den Wohngruppen für Kinder und Jugendliche arbeiten wir mit familienähnlichen – beziehungsweise mit Wohngemeinschaftsstrukturen.

Wenn Sie von den guten Beziehungen sprechen, dann ist das Pflegepersonal stark gefordert.
Im Rehabilitationsprozess ist das wenigste standardisiert, jede Entwicklung verläuft sehr individuell. Neben den fachlichen Kompetenzen, die zweifelsohne hoch sind, zählt hier das Interesse an menschlichen Beziehungen. Das ist mit ein Beweggrund, weshalb Pflegende bei uns arbeiten wollen: Sie möchten Patientinnen und Patienten auf ihrem Weg zurück in die Selbständigkeit, zurück in einem Alltag mit möglichst hoher Lebensqualität längerfristig begleiten. 

Was genau tun sie für ein heimeliges Gefühl?
Die Zimmer zum Beispiel sind bewusst eher spartanisch eingerichtet, so dass die Kinder diese mit Postern, Bildern und Kuscheltieren selber gestalten können. Der Freiraum für die Gestaltung dient dazu, dass sie sich wohl fühlen, denn wo sie sich wohlfühlen, sind sie auch ein Stück weit daheim. Wir bieten hier ein «Zuhause auf Zeit», das entspricht wirklich unserer Einstellung. Die Bedürfnisse der Kinder und Jugendliche stehen dabei im Vordergrund: Kind sein, spielen zu können, malen, gemeinsam Mahlzeiten kochen. Am Wochenende gehen die meisten nach Hause, denn was hier geübt worden ist, das muss in der normalen Umgebung ausprobiert werden. Das Kind gehört ja primär in die Familie.

Text: Kerstin Lenz

Angebot laufend

Luk De Crom, Leiter Pflegedienst am Rehabilitationszentrum