Neubau

Lebensraum statt «Krankenhaus»

1874 wurde das Kinderspital Zürich eröffnet. Jetzt wird das Spital an einem neuen Ort von Grund auf neu gebaut – und dabei auch neu gedacht.

Zur bald 150-jährigen Erfolgsgeschichte des Kinderspitals gehört eine ebenso lange Leidensgeschichte des chronischen Platzmangels mit all den zunehmend aussichtsloseren Versuchen, die Platznot mit Erweiterungsbauten, Provisorien und Containern zu lindern. Und so präsentiert sich das Kispi heute architektonisch als Flickenteppich.

Es muss sich deshalb wie das Kunststück eines Entfesselungskünstlers angefühlt haben, als die Eleonorenstiftung 2006 als Trägerin des Spitals beschloss, für einen Neubau die «grüne Wiese» zu suchen. Tatsächlich entwickelte sich die Vision zur greifbaren Realität, als 2009 ein Landtausch mit dem Kanton Zürich möglich wurde.

Visualisierung des Neubaus des Kinderspitals.

Visualisierung des Neubaus des Kinderspitals. Foto: Universitäts-Kinderspital Zürich / zvg

Visualisierung des Neubaus des Kinderspitals.

Visualisierung des Neubaus des Kinderspitals. Foto: Universitäts-Kinderspital Zürich / zvg

Visualisierung des Neubaus des Kinderspitals.

Visualisierung des Neubaus des Kinderspitals. Foto: Universitäts-Kinderspital Zürich / zvg

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Seit dem 4. Mai 2018 wird nun in Zürich Lengg das neue Kinderspital gebaut. Es ist der erste Bau der Basler Architekten «Herzog & de Meuron» in Zürich. Und es wird ein Spital sein, das nicht nach «Spital» aussieht. Das lang gezogene, lediglich dreistöckige Akutspital erscheint in den Visualisierungen so einladend, wie man es einem Spital fast nicht zutrauen mag. Es wirkt so gar nicht einschüchternd.

In der Broschüre zum Neubau tauchen Bezeichnungen wie Boulevard, Quartiere und Höfe auf. Das Kinderspital als kleine Stadt? – «Ja, ein Spital funktioniert ja auch wie eine Stadt oder eher wie eine Stadtlandschaft mit Strassen, Wegen, Plätzen, Pflanzen und Aussichtspunkten.» So hat es Jacques Herzog der NZZ vor einem Jahr erklärt.

Die Pläne zum Neubau, der 2022 bezugsbereit sein soll, skizzieren das Kinderspital als Lebensraum, in dem sich Patienten, Angehörige und Personal aller schweren Belastung zum Trotz wohl- fühlen sollen. Ein Ort, an dem man sich begegnen, aber auch zurückziehen kann. Die Architektur soll so ihren Teil zur Heilung beitragen. Ein Konzept, in das sich auch die Seelsorge – zumindest gedanklich – ganz selbstverständlich und organisch integrieren lässt.

Wenn es dem Kinderspital mit dem Neubau tatsächlich gelingt, gleichzeitig ein Ort der Spitzenmedizin wie der Geborgenheit zu sein, dann könnte das wegweisend für weitere Spitalbauten werden.

Text: Thomas Binotto

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Universitäts-Kinderspital

Zürich 1868 schenkte der Privatmann und Arzt Conrad Cramer im Andenken an seine früh verstorbene Gattin Eleonora der Stadt Zürich die damals bedeutende Summe von 50 000 Franken zur Errichtung eines Kinderspitals. Daraus entwickelte sich die Eleonorenstiftung, die heute noch Rechtsträgerin des Spitals ist.

Die Kosten für den Neubau werden mit 625 Millionen Franken veranschlagt. Die Finanzierung ist über einen Baukredit, ein Darlehen des Kantons Zürich sowie zwei an der Schweizer Börse gehandelte Anleihen weitgehend gesichert. Die restlichen Kosten sollen mithilfe von Beiträgen von Sponsoren, Mäzenen und privaten Spendern gedeckt werden.

www.kispi.uzh.ch