Spitalseelsorge

Ressource bedeutet Quelle

Vor zehn Jahren wurde die katholische Spitalseelsorge kantonalisiert. Vier Basisfragen an die Leitung der Dienststelle.

forum: Welches sind die häufigsten Erwartungen der Patienten?
Zunächst haben viele Menschen, die in ein Spital oder in die Psychiatrie eintreten, die berechtigte Hoffnung, dass sich jemand vom Fachpersonal Zeit für sie nimmt. Diese Erwartung geht in erster Linie an die Ärzte und das Pflegepersonal. Dann aber auch an uns Seelsorgende. Wenn wir auf die Patienten zugehen, treffen wir sie in ganz unterschiedlichen Situationen an. Hier braucht es Einfühlungsvermögen und Erfahrung, um einen Raum für ein persönliches Gespräch zu eröffnen. Es gibt auch ganz konkrete Anfragen: Das Bringen einer Bibel, die Bestellung eines Priesters, ein frei gesprochenes Gebet oder einen Segen. Auch das Bringen der Krankenkommunion wird gewünscht. Viele Menschen stellen bei dieser Gelegenheit persönliche oder auch kritische Fragen zu Glaube und Kirche, die sich angesammelt haben.

Wie wird Spitalseelsorge von der medizinischen Leitung und dem Personal wahrgenommen?
Die meisten Klinikleitungen kennen und schätzen den Dienst unserer Seelsorgenden. Von der Dienststellenleitung aus pflegen wir ungefähr einmal im Jahr den direkten Kontakt. Die Seelsorgenden vor Ort nehmen an Sitzungen mit der Geschäftsleitung teil und lassen dort die Anliegen der Patienten und der Seelsorge einfliessen. Letztlich müssen wir jeden Tag durch unsere gute Arbeit zeigen, dass unsere Präsenz für die Patienten und den ganzen Betrieb «etwas bringt». Gemäss der Klinikleitbilder, die von ganzheitlicher Betreuung sprechen, decken wir wichtige Bedürfnisse ab. Palliative und Spiritual Care sind hier nicht nur Schlagwörter, sondern gelten auch in der WHO als wichtige vierte Säule der therapeutischen Bemühungen. Die wichtigste «Visitenkarte» unserer Arbeit sind aber die Patienten und Angehörigen. Wenn sie sagen: «Der Seelsorger oder die Seelsorgerin hat mir geholfen», dann sind wir glücklich!

Wie wirkt sich die verkürzte Aufenthaltsdauer im Spital auf die Spitalseelsorge aus?
Die Kurzaufenthalter, welche nur Stunden oder wenige Tage hospitalisiert werden, waren noch nie unser Schwerpunkt. Wer sich einen Meniskus operieren lässt, benötigt nicht unbedingt ein Seelsorgegespräch. Wir gehen zu den Menschen, die Wochen in den Kliniken und Psychiatrien verbringen müssen. Sei es auf den Intensiv-, Palliative-Care-, oder den Demenzstationen.
Wir betreuen ältere Menschen mit komplexen Problemen. Und wenn es zum Sterben geht. Diejenigen Patienten, die nach mehreren Wochen Behandlung in die ambulanten Settings wechseln, betreuen wir auf Wunsch weiter, wobei das nur in einem begrenzten Masse möglich ist. Jede Seelsorgerin und jeder Seelsorger begleitet heutzutage ambulante Patienten und sucht nach Anschlusslösungen. Dies ist ein offenes Feld und wird in Zukunft bedeutsamer werden. Bei Todesfällen, Sterbebegleitungen, für Abschiedsrituale und in der Angehörigenbetreuung werden wir weiterhin dazugerufen. Hier spricht man der Kirche und ihren Vertreterinnen und Vertretern Kompetenzen zu.

Ist die Spitalseelsorge auch für das medizinische Personal und für die Angehörigen da?
Ja. Das Bewusstsein, uns als «Ressource» zu verstehen, ist gewachsen – vielleicht auch wegen des ökonomischen Druckes. Erst letzte Woche bekamen wir einen Anruf von einem Arzt, der Lebenspartner einer Patientin sei am «Zusammenklappen». Alle waren froh, dass wir uns Zeit für ihn nehmen konnten. So geht es unseren Kolleginnen und Kollegen. Es gibt auch Todesfälle seitens des Personals, wo wir eine Anfrage für eine Gedenkfeier erhalten. Manchmal spricht uns das Personal auch wegen persönlicher Probleme an. Das hängt von der Integration und dem Charisma der Seelsorgenden ab.

www.spitalseelsorgezh.ch

Text: Tatjana Disteli und Sabine Zgraggen

Angebot laufend

Katholische Spital- und Klinikseelsorge in Zahlen

45 Seelsorgende

31 Standorte

22 Priester auf Abruf (Tag und Nacht)

75 Musiker für die sonntäglichen Gottesdienste

18 Sakristane und Bettenschieber

1 Dienststelle mit 4 Mitarbeitenden (in Teilzeit)