Dokumentarfilm

Wenders «verfilmt» den Papst

In Wim Wenders Film kriegt man das Gefühl, hier werde jeder Zuschauer von Papst Franziskus direkt angesprochen.

Passend zum bevorstehenden Papstbesuch in Genf läuft jetzt der Dokumentarfilm «Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes» an. Das formale Rückgrat des Werks bilden vier lange Interviews mit Papst Franziskus. Dank einer besonderen Kameratechnik erhalten Zuschauer schnell den Eindruck, als würde sich der Papst direkt an sie wenden.

Der Vatikan, von dem die Initiative zum Film ausging, liess Wenders und seine Equipe frei arbeiten und stellte ihnen exklusives Bildmaterial zur Verfügung. So erscheinen nun neben den Interviews wichtige Stationen des bisherigen Pontifikats auf der Leinwand: unter anderem der Auftritt von Jorge Mario Bergoglio als neugewählten Papst, seine Reisen nach Bolivien, Lampedusa und Lesbos, seine Rede dem US-Konress und sein Aufenthalt im Heiligen Land. Nur einmal blendet der Film in einer sehr aufschlussreichen Sequenz nach Argentinien zurück und schildert, wie Bergoglio auf einem städtischen Platz predigt.

«Franz von Assisi steht für eine grundlegende Erneuerung der Kirche, für eine radikale Zuneigung zu den Armen und Ausgestossenen und für ein völlig anderes Verhältnis zur Natur. Und genau das sind ja die Eckpfeiler des Pontifikats von Papst Franziskus», sagt Wim Wenders.

Im Film sehen wir, wie Papst Franziskus auf Bauern und Arbeiter, Kinder und Erwachsene, Gefangene, Flüchtlinge und Bewohner von Elendsvierteln zugeht. Und wir erhalten den unmittelbaren Eindruck, er gehe damit auch auf jeden von uns zu.

Wer keine Möglichkeit hat, mit dem Papst in Genf Eucharistie zu feiern, kann dank diesem sehenswerten Film seine urbane, raue und lateinamerikanische Komponente und entscheidende Anliegen besser verstehen. Er kann Franziskus hier in Zürich begegnen.


4 Fragen an Wim Wenders

Hätten Sie sich je vorstellen können, einen Papst als sozialen oder ökologischen Revolutionär darzustellen?
Wim Wenders: Nein, das hätte ich mir in den kühnsten Träumen nicht vorstellen können: Weder einen Film über einen Papst zu machen, noch über einen solchen Papst.

Was hat Sie persönlich am Papst beeindruckt?
Am meisten die Herzlichkeit und die unmittelbare, ganz selbstverständliche Haltung gegenüber allen Menschen. Und das war schon sichtbar, wie er sich allen im Filmteam gegenüber verhalten hat: «Ich bin wie jeder andere auch; ihr müsst mich nicht hofieren.» Der Papst hat jeden am Set mit Handschlag begrüsst, einschliesslich Bühnenarbeiter und Beleuchter, und sich von jedem verabschiedet.

Welche Rolle spielen Glaube und Spiritualität für Sie persönlich?
Wenn einem in seinem Leben Gott wichtig, ja eine Realität geworden ist, dann wirkt sich das auf alles aus, was man tut. Und wenn man wirklich felsenfest überzeugt ist, dass man Dunkelheit nicht mit Dunkelheit bekämpfen kann, sondern nur mit Licht, dann hat das Konsequenzen.

Welche Bedeutung spielt das religiöse Empfinden für ihr Filmschaffen?
Künstler haben eine grosse Aufgabe – und nicht wenige drücken sich davor – nämlich den Menschen zu zeigen, dass hinter dem vordergründigen Schein etwas anderes sein könnte; oder die Wirklichkeit auch mit anderen Augen zu sehen sei. Film und Malerei sind ja Künste des Sehens. Jeder Maler versucht aufs Neue, den Betrachter das Sehen zu lehren.

Interview: Christoph Scholz, kna/kath.ch

Das vollständige Interview unter www.kath.ch


Text: Franz-Xaver Hiestand SJ, Leiter des aki

Angebot laufend

Montag, 18. Juni 2018
Filmbesuch

Die katholische Hochschulgemeinde lädt zum gemeinsamen Besuch des Films «Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes» und anschliessender Diskussion über den Film im aki ein. Besucht wird voraussichtlich eine Vorabend-Vorstellung im Kino «Capitol» (Weinbergstrasse 9, 8001 Zürich). Genauere Angaben sind ab dem 14. Juni auf www.aki-zh.ch erhältlich.

Anmeldung unter info@aki-zh.ch