«mitenand glaube»

Erster Kirchentag im Oberland

Vom 5. bis 8. Juli 2018 geht in Wetzikon unter dem Motto: «mitenand glaube» der erste Kirchentag der Region Zürich Oberland über die Bühne. Menschen aus 50 Gemeinden feiern gemeinsam ihr Christsein – 500 Jahre nach der Reformation.

In der Eishalle, in der Aula der Kantonsschule, in den Kirchen und auf dem Festplatz – für drei Tage wird ganz Wetzikon vor allem eines sein: Kirchentag. Ein Marktplatz, auf dem sich über 60 christliche Gemeinschaften oder Werke vorstellen.
Kunstausstellungen, Musik – unter anderen Andrew Bond, ein Gospelprojekt mit vielen Chören, ein Jazz- und ein Orgelkonzert – Vorträge, Podien, Gottesdienste – eine Gutenberg-Presse, ein Sternmarsch und natürlich ein Festzelt mit Speis und Trank, all das erwarten die Besucherinnen und Besucher.
Damit dies möglich wird, sind immer mehr Menschen bereits miteinander unterwegs. Nicht die Erinnerung an die Spaltung der Christenheit soll bei diesem Anlass im Zentrum stehen, sondern die Impulse des Christentums für die Erneuerung des Glaubens und der Gesellschaft in der heutigen Zeit. Das dachten sich vor zwei Jahren der reformierte Pfarrer und Dekan Matthias Walder von Hinwil und Hans Corrodi vom Landeskirchenforum. 

«Auf jeden Fall wollten sie das Reformationsjubiläum nicht alleine feiern», erzählt Daniel Stoller-Schai, Präsident des Vereins «Aktion Kirchen». Eine Spurgruppe habe überlegt, wie das gemeinsame Christsein gefeiert werden könne – und die Idee «Kirchentag Züri Oberland» war geboren. Immer mehr Kirchgemeinden, Pfarreien, Freikirchen und Gemeinschaften aus der ganzen Region schlossen sich dem Projekt an, viele Freiwillige engagieren sich schon in der Vorbereitung oder dann an einem der Kirchentage.

«So ein Anlass ist eine wunderbare Gelegenheit, einander kennenzulernen», sagt auch Petra Kreuzer, Religionspädagogin in der katholischen Pfarrei St. Niklaus Hombrechtikon. «Durch die Vorbereitung auf diesen Kirchentag ergeben sich viele Begegnungen. So wird die Ökumene lebendig und Kirche für die Menschen sichtbar.» Es sei nicht immer einfach, auch innerhalb einer Konfession gebe es ja unterschiedliche Meinungen.
Deshalb hat sich nicht nur die Spurgruppe und der anschliessend gegründete Verein zur Organisation des Kirchentages auf den Weg gemacht: Mehrere Gebetsabende und Impulsveranstaltungen nehmen die Bevölkerung mit in Glaubens-Reflexion und Glaubensvertiefung.
So wurde am 15. Mai das Thema «Kirche als Leib Christi aus reformierter, katholischer und freikirchlicher Sicht» in je einem Vortrag dargestellt und anschliessend in Gruppengesprächen vertieft. Das freundschaftliche Miteinander der Referenten war dabei für den respektvollen, aber ehrlichen Dialog ein gutes Beispiel.
Der katholische ehemalige Wetziker Pfarrer Hans Schriber, der reformierte Dekan Matthias Walder und der Leiter der freikirchlichen «Freien Christengemeinde» Wetzikon, Friedel Zwahlen (der einen Text vom verhinderten Jürg Buchegger sehr lebendig verlas), referierten klar, durchaus selbstkritisch und immer offen für die je andere Konfession.

«Wir wollen nicht ausblenden, was wir verschieden sehen», sagt Petra Kreuzer. «Aber wir wollen uns darüber austauschen.» Daniel Stoller-Schai ergänzt: «Die Dialogbereitschaft unter den Konfessionen hat dank der vielen neuen persönlichen Beziehungen bereits vor dem Kirchentag deutlich zugenommen. Auch das Bewusstsein, dass uns mehr verbindet, als uns trennt.» Es sei auch wichtig, dass «wir uns als Christen gegenseitig wahrnehmen und unseren Beitrag für die Gesellschaft leisten – und die Gesellschaft auch uns Christen wahrnehmen kann.» Vom 5. bis 8.  Juli werden die Kirchen in Wetzikon jedenfalls nicht zu übersehen sein.

Text: Beatrix Ledergerber-Baumer