Meine Sternstunde

Was ist Normalität in einem Land?

Dana Zumr, Geschäftsleiterin der Stiftung Jesuiten weltweit, über ihren Besuch im Libanon.

Hadi fährt uns durch die Bekaa-Ebene im Libanon. Ich sitze neben ihm, höre, wie er am Telefon weibelt. Hadi ist auch Beschaffungsoffizier für den Flüchtlingsdienst der Jesuiten im Libanon. Sie brauchen dringend Drucker, doch die Geräte sind irgendwo steckengeblieben. Wer weiss schon, wo und warum in einem Land, das ganz andere Probleme hat: Im Libanon, zweimal der Kanton Bern, leben 4 Millionen Libanesinnen und Libanesen und 1,75 Millionen syrische Flüchtlinge.

Wir sind unterwegs in die Provinzstadt Baalbek, zu einer der Jesuiten-Schulen mit zurzeit insgesamt 4362 Flüchtlingskindern. Immer wieder müssen wir einen Checkpoint passieren, immer wieder wünscht Hadi den Soldaten Frieden. Dann blickt er mich unvermittelt an. «Wie sehen eigentlich eure Checkpoints aus?», fragt er. «Wir haben keine in der Schweiz», antworte ich. Seine Augen staunen, wir schütteln beide den Kopf und sagen gleichzeitig zueinander: «Was ist Normalität in einem Land?» Er kennt mein Land nicht, ich erahne das seine nur. Und doch haben wir uns in der Tiefe unserer Seelen verstanden.

Text: Dana Zumr

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