Gott und die Welt

Erfüllendes Engagement

Regelmässig ist der Arzt Reto Eberhard Rast für das Schweizerische Rote Kreuz im Auslandeinsatz. Die bereichernden Erfahrungen möchte er nicht missen.

Sie klingt nach Mittelalter und wird doch in Madagaskar zur Regenzeit Realität: die Pest. Als sie im Oktober 2017 auszuarten drohte, brachte das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) Soforthilfe – mit im Team Reto Eberhard. In einem Spital in der Nähe der Hauptstadt Antananarivo half er zusammen mit einheimischen und internationalen Helfern, Pestkranke zu betreuen und ein Ausbildungszentrum aufzubauen. Die Arbeit war intensiv – in den vier Wochen nahm sich der Arzt nur anderthalb Tage frei. «Es ist so eine aufregende und erfüllende Zeit, da nehme ich Schlafmangel und auch Risiko in Kauf.»

Dass der 45-Jährige seit vier Jahren Einsätze für das SRK leistet, ist Zufall. Denn der Mediziner wechselte zuerst in den Lehrerberuf und unterrichtete Geschichte sowie Biologie an einer Mittelschule. Bis ein Arztkollege ihm vom Engagement in Entwicklungsländern erzählte: «Mein Wunsch, selbst solche Einsätze zu leisten, brachte mich zurück in den Arztberuf», erinnert sich Eberhard.

Seine Einsätze führten ihn ins Erdbebengebiet in Nepal, in Tansania sammelte er tropenmedizinische Erfahrung und in Griechenland betreute er Flüchtlinge. Jedes Jahr verlässt er seine Praxis und seine Familie in Luzern, um vier Wochen in ein Krisengebiet zu reisen. Angst kennt er dabei keine, die Abenteuerlust überwiegt. Sorgen macht sich manchmal seine Frau: Für einen Einsatz in ein Ebola-Gebiet legte sie ihr Veto ein.

«Diese Auslandeinsätze gehören zu den schönsten Erfahrungen in meinem Leben», sagt Reto Eberhard. «Sicher gibt es schwierige Momente: wenn man mit seinen fachlichen Kenntnissen an Grenzen stösst, wenn die nötigen Medikamente fehlen oder das einheimische Personal mangelhaft ausgebildet ist. Doch nichts ist schöner, als in einem gut eingespielten Team für Notleidende etwas bewirken zu können.»

Seine Kinder geben ihm jeweils Plüschtiere mit, mit denen sie einst gespielt haben: «Es freut sie sehr, wenn sie auf meinen Fotos sehen, wie glücklich die kleinen Patienten mit den Geschenken sind.»

Im Herbst möchte der Arzt in ein Flüchtlingslager in Bangladesch reisen. Erst aber kommen die Sommerferien: «Familienzeit ist mir heilig.»

Text: Pia Stadler