Gott und die Welt

Freiwillig im Ausland engagiert

Ein freiwilliger Auslandeinsatz verbindet ein Engagement für Menschen in Not mit persönlichen Entwicklungschancen und einer Prise Abenteuer. Möglich machen solche Einsätze Organisationen wie das Schweizerische Rote Kreuz, Ärzte ohne Grenzen oder die «Jesuit Volunteers».

Erdbeben, Epidemien, Wirbelstürme, Flüchtlingsströme: Wo Hunderttausenden die Existenzgrundlage geraubt wird, ist rasche humanitäre Hilfe überlebenswichtig. Wenn immer möglich, kommen lokale Fachleute zum Einsatz. Sind diese jedoch überfordert, entsenden das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) und Médecins Sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen (MSF) erfahrene und spezialisierte Logistiker sowie medizinisches und paramedizinisches Personal aus der Schweiz.

«In den vergangenen Jahren haben wir viel in die Ausbildung von Nothilfe-Spezialisten investiert», erklärt Beatrice Weber, Leiterin der SRK-Katastrophenhilfe. «Wir verfügen über einen breit abgestützten Personalpool. Die rund 70 Pool-Mitglieder sind nach den Standards der Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften qualifiziert, ihre Einsätze erfolgen immer koordiniert mit der internationalen Bewegung. Die SRK-Helferinnen und -Helfer packen selber mit an, genauso wichtig ist aber, dass sie ihr -Wissen vor Ort an die lokalen Freiwilligen - oder Fachkräfte weitergeben.» Die Mitglieder des Pools leisten im Durchschnitt einen vierwöchigen Einsatz pro Jahr, für den sie von ihrem regulären Arbeitgeber freigestellt und beim SRK nach Funktion und Erfahrung entlöhnt werden. Dazu werden Reisespesen, sämtliche Kosten vor Ort sowie Sozialversicherungen abgegolten.

Auch Ärzte ohne Grenzen arbeiten mit einem -Personalpool von 600 internationalen freiwilligen Fachkräften. Neben fachlichen Qualifikationen und solider Berufspraxis setzt die Organisation auf Vielseitigkeit: «Da wir viele Bewerbungen erhalten, legen wir Wert auf ein möglichst breites Erfahrungsspektrum. Dies ist von zentraler Bedeutung, um in unterschiedlichen Kontexten selbständig arbeiten zu können», betont Denise De Quervain, Verantwortliche für die Rekrutierung von Freiwilligen bei MSF Schweiz. 

Interessierte sollten sich für insgesamt mindestens zwölf Monate – eingeteilt in zwei sechsmonatige Einsätze, bei Fachärzten auch in kürzere Einheiten – engagieren. Entlöhnt werden sie zu einem Einheitssatz, zudem werden sämtliche Spesen, Kosten vor Ort und Versicherungen abgedeckt.

Dass die Mitarbeitenden in stark gemischten Teams arbeiten, bringt Vor- und Nachteile: «Die unterschiedlichen Hintergründe sind extrem wertvoll. Ein erfahrener Nothelfer aus dem Libanon, wie wir ihn im Logistik-Team haben, bringt ganz andere praktische Erfahrungen mit als ein Logistiker eines Schweizer Grossverteilers. Im Team ergänzen sie sich», erklärt Beatrice Weber. Die Verschiedenheit stellt jedoch auch eine Herausforderung dar: «Die interkulturellen Aspekte sind spannend, machen aber auch oft die Verständigung schwieriger. Unterschiedliche Mentalitäten, Erwartungshaltungen und Arbeitsmoral können die Zusammenarbeit belasten», ergänzt Denise De Quervain.

Die Feldeinsätze sind anstrengend, oft gibt es kaum Erholungs- und Rückzugsmöglichkeiten. Die Lebensbedingungen können schwierig sein. Genauso wichtig wie Fachwissen, da sind sich Weber und De Quervain einig, sind deshalb psychische und physische Belastbarkeit, Anpassungsfähigkeit und Sozialkompetenz.

Wer jedoch die Strapazen auf sich nimmt, wird belohnt mit sinnstiftender Arbeit in einem weltweiten humanitären Netz, Horizonterweiterung und persönlichen und beruflichen Entwicklungschancen.

Um einen Brückenschlag zwischen Kulturen, einen Austausch auf Augenhöhe, geht es den «Jesuit -Volunteers». Sabrina Bispo, Koordinatorin der Freiwilligenprogramme bei der Stiftung Jesuiten weltweit, erklärt: «Sich auf den Weg machen, in eine neue Kultur eintauchen, in einem Sozialprojekt der Jesuiten mitarbeiten, sich für mehr Gerechtigkeit in unserer Welt einsetzen, dies können Erwachsene ab 18 Jahren in unserem internationalen Freiwilligendienst.» Seit zehn Jahren bietet die Stiftung jährlich für bis zu 30 Freiwillige Einsätze bei Partnern in Osteuropa, Afrika, Asien und Lateinamerika. Während eines Jahres leben und arbeiten die Frauen und Männer im Projekt mit und passen sich den dortigen Lebensgewohnheiten an. «Unsere Freiwilligen lassen sich bewusst auf einen einfachen Lebensstil in einem christlichen Umfeld ein», sagt -Sabrina Bispo, «wobei auch Freiwillige anderer Religionen sowie Konfessionslose bei uns Platz finden.» Begriffe wie Armut, Gerechtigkeit, Globalisierung und Spiritualität werden in diesem Jahr bewusst reflektiert.

Die Einsatzfelder sind vielfältig: Die Freiwilligen arbeiten beispielsweise mit Kindern und Jugendlichen, mit behinderten, alten oder kranken Menschen, mit Obdachlosen oder Flüchtlingen – aber auch für Ingenieure oder im IT–Bereich gibt es Möglichkeiten.

Das Einsatzfeld kann zwar gewünscht, aber nicht bestimmt werden. «Bei uns gilt das Aussendungsprinzip», erklärt Sabrina Bispo. Basierend auf den persönlichen Kompetenzen der interessierten Frauen und Männer sowie den Anforderungen des Projektes platziert das Team von «Jesuit Volunteers» die Freiwilligen. «Selbstverständlich versuchen wir dabei, die persönlichen Wünsche zu berücksichtigen», betont Bispo.

Die Freiwilligen erhalten eine intensive Vor- und Nachbereitung ihres Einsatzes und sind in den Projekten eng begleitet. Vor Ort ist für Unterkunft, Verpflegung, Versicherung und Taschengeld gesorgt. Dafür erwarten die Jesuiten, dass ihre Freiwilligen einen Teil der Vorbereitung wie Visum, Impfungen und Sprachkenntnisse eigenständig angehen und bezahlen.

Der Freiwilligendienst richtet sich nicht nur an junge Schulabgängerinnen und -abgänger oder Studierende. «Es gibt bewusst keine Altersbeschränkung nach oben», sagt Sabrina Bispo. «Immer wieder nehmen sich Freiwillige ein Jahr Auszeit vom Beruf oder erfüllen sich nach der aktiven Berufsphase den Traum eines Auslandjahres. Die Mischung aus jüngeren und älteren Volunteers empfinden wir als sehr bereichernd.» Unabhängig vom Alter gilt: Persönlichkeitsentfaltung garantiert.

Text: Pia Stadler