100 Jahre Katholischer Frauenbund Zürich

In die Zukunft feiern

100 Jahre Katholischer Frauenbund Zürich – ein erstes Jubiläumsfest in
Winterthur – aber der Blick geht mehr nach vorn als in die Vergangenheit.

«Die Frauen verlassen uns nicht, aber es kommen kaum neue nach», erklärte Amanda Ehrler, die Präsidentin des jubilierenden Vereins. Und tatsächlich, beim Jubiläumsfest am 9. Juni in Winterthur ist die Mehrheit der rund 120 anwesenden Frauen im Pensionsalter.

Aber: «Aus jeder Krise kann eine Chance erwachsen.» Das betont Andrea Gisler auf dem Podiumsgespräch im Rahmen der Jubiläums-feier. Die Präsidentin der Frauenzentrale Zürich ermutigt deshalb zum Aufbruch.

«Und wie erreicht man junge Frauen?», fragt Podiumsmoderatorin Claudia Sedioli. Über Facebook, schlägt Gisler vor. So gewinne die Frauenzentrale neue Mitglieder für sich. «Netzwerken ist wichtig», pflichtet Barbara Schmid-Federer, die ehemalige Zürcher CVP-Nationalrätin, bei. Auf diese Weise habe sie im Nationalrat Anliegen durchgebracht und sei in den Medien wahrgenommen worden. Sie sei auch bereit, den Frauenbund beim Netzwerken zu unterstützen, erklärt sie unter Applaus.

Der Frauenbund könnte durchaus verschwinden und freien Formen der Zusammenarbeit Platz machen, findet Amanda Ehrler. Aber -«unsere Not ist die Einsamkeit» konstatiert die Historikerin Magdalena Bless und betont deshalb, wie wichtig der Frauenbund nach wie vor für ältere Frauen sei.

«Wir müssen vielleicht wegsterben», meint Ingrid Grave, als sie auf den Personalrückgang in den Frauenklöstern angesprochen wird. Die Dominikanerin klingt dabei jedoch keineswegs resigniert. Die soziale Frage, der sich die Klöster gewidmet hätten, sei nun Sache der Behörden. «Ich glaube: Unsere Zukunft liegt im Spiritu-ellen.» Man müsse junge Predigerinnen aufbauen, die sich als Predigerorden neue Strukturen geben sollten. Auch Ehrler plädiert für einen -eigenen Weg: «Wir sollten selbstständig Frauenkirche machen.»

Eine Weihe zur Diakonin oder Priesterin kommt für beide aber nicht in Frage. «Das möchte ich nicht», sagt Ehrler, obwohl sie jahrelang mit Freude priesterliche Dienste geleistet habe. Ein Diakon sei ein «Quasi-Priester, um das -System länger zu stützen».

Als Priester sei es schwierig, aufmüpfig zu werden, begründet Grave ihre Zurückhaltung. «Eher mache ich mich selbstständig und feiere meine Gottesdienste mit meinen Gruppen», sagt sie und verrät: Das mache sie bereits jetzt.


Regula Pfeifer freie Mitarbeiterin

Text: Regula Pfeiffer, freie Mitarbeiterin

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Das Fest in Winterthur war das erste von vier Jubiläumsfesten des 1919 gegründeten Katholischen Frauenbundes Zürich. Das forum wird im Laufe des Jubiläumsjahres weitere Beiträge zum Frauenbund publizieren.