Stolperstein

Sein Herz verschliessen

Wie beschreiben wir jemanden, der wider besseres Wissen und zum eigenen Schaden etwas Gutes ablehnt? – Wir sagen, er oder sie sei stur.

Aber oft ist dieses Wort nicht stark genug, um unsere Verzweiflung auszudrücken, wenn beispielsweise Angehörige oder Freunde trotz Lungenkrebs weiter rauchen, wenn sie vehement eine Ehetherapie ablehnen oder absichtlich lebensnotwendige Medikamente nicht einnehmen.

Häufig stecken bei solchen Verweigerungen die Angst vor dem Unbekannten dahinter oder das Klammern an Gewohnheiten. Manchmal sind Menschen aber sogar bereit, scheinbar bösartig das Gute abzulehnen. Man könnte sie dann als verstockt beschreiben.

Verstockt. Dieses Wort wird im Alltag kaum gebraucht. Es stammt aus der biblischen Welt und ist oft mit einer extremen Deutung verbunden. Im Alten Testament heisst es, dass Gott das Herz des ägyptischen Pharaos verstockte, damit er das Volk Israel nicht frei liess. Oder dass Propheten als Boten Gottes vom verstockten Volk abgelehnt und sogar getötet wurden.

Auch Jesus machte die Erfahrung, dass Menschen ihn hassten und verfolgten, obwohl oder gerade weil er die Liebe Gottes kompromisslos vorlebte. Es wird so beschrieben, als hätte Gott in diesen Fällen die Herzen der Menschen bewusst verschlossen, damit sie ihn nicht erkennen. Sie sollten nicht zu ihm umkehren, werden aber von ihm dafür bestraft.

Das klingt ungerecht und grausam. Kann man es auch anders deuten? Sicher schwingt die Enttäuschung der biblischen Schriftsteller mit, wenn ihre Botschaft abgelehnt wird. Sie suchen nach tiefer gehenden Erklärungen dafür. Ich halte es aber auch für durchaus möglich, dass ein Mensch sein Herz ohne Gottes Zutun fast unveränderbar verschliesst.

Ein weiterer Deutungsweg öffnet sich, wenn wir das Wort «mepote» im griechischen Text anders übersetzen. Wenn Jesus sagt, dass die Menschenherzen verschlossen sind, damit sie nicht verstehen, kann man auch übersetzen: «Es sei denn, dass sie verstehen.»

Dann ist das nicht mehr die Willkür Gottes, sondern die Freiheit der Menschen. Wenn sie sich für Gott öffnen, verstehen sie den Sinn der Gleichnisse und finden zu ihm. Verstockung beschreibt ein geistliches Phänomen. Aber Menschen können umkehren und von Gott auf ihrem neuen Weg begleitet werden.

Text: Michaele Madu Pastoralassistentin Pfarrei Bruder Klaus, Volketswil