Gott und die Welt

Tatkräftig anpacken

Seit 2016 ist Anigna Waldegg im Pflegenden-Pool von Ärzte ohne Grenzen. Der zweite Einsatz führt die Pflegefachfrau in den Sudan.

«Ich konzentriere meine Energie auf das Mögliche», sagt Anigna Waldegg und strotzt vor Tatkraft. Dass die 30-jährige, in Appenzell lebende Bündnerin «schlecht im Akzeptieren der Ungerechtigkeiten dieser Welt» ist, glaubt man ihr sofort. Das Privileg, in der Schweiz einen Beruf erlernt zu haben, mit dem sie sich weltweit für Benachteiligte einsetzen kann, hat sie als junge Pflegefachfrau zu Médecins sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen (MSF) geführt. «Mich überzeugt ihre Ethik:  Die Menschen, die am stärksten und am unmittelbarsten in Not sind, haben stets Vorrang», erzählt sie wenige Tage vor ihrem Abflug nach Darfur. 

Was sie während der nächsten sechs Monate dort erwartet, kann sie nur erahnen. «Ich kenne bisher nur die Situation im Libanon. Doch jedes Projekt und jeder Einsatz ist anders – Erwartungen zu benennen, ist schwierig.» -Sicher ist: Zusammen mit weiteren 100 Mitarbeitenden von MSF – über 90 davon Einheimische – soll sie in einem Flüchtlingslager die Vertriebenen medizinisch betreuen. Das Spital steht bereits, die Ambulatorien sind im Camp verteilt, eine Station für Wöchnerinnen wird aufgebaut. «Auf welchem Niveau wir arbeiten können, kann ich nicht einschätzen.» Wie die meisten internationalen Mitarbeitenden von MSF wird Anigna Waldegg vor allem für den reibungslosen Ablauf des Projekts zuständig sein, die pflegerischen Tätigkeiten koordinieren und überwachen, einheimische Fachkräfte schulen – auch wenn sie eigentlich lieber mehr am Patienten arbeiten würde. 

Mit den einfachen Lebensbedingungen wird sie umgehen können – auch der Dusche im Freien, die sie mit den anderen internationalen Fachkräften teilen wird. «Die grösste Herausforderung werden die unterschiedlichen Vorstellungen von Arbeitsmoral sein und meine Stellung als Frau in einem patriarchalen Land.» Und sollte es zwischendurch schwierig werden, vertraut sie auf ihre Erfahrungen aus ihrem Einsatz im Libanon: «Im Freiwilligen-Team unterstützten wir uns gegenseitig.» Was ihr zumindest moralisch auch immer hilft: Backen. Backpulver und Hefe werden im Gepäck nicht fehlen. Zusammen mit einem  Kilogramm Bündnerfleisch. Ein bisschen Heimat muss sein.

Text: Pia Stadler