Editorial

Absolut offen

Eine Biergeschichte im forum? – Wir müssen im Sommerloch stecken!

Zugegeben: Die Reportage aus der Klosterbrauerei Fischingen ist eine typische Sommergeschichte. Und trotzdem eine, die für eine Haltung steht, die wir im Pfarrblatt das ganze Jahr hindurch pflegen.

Wenn darüber diskutiert wird, was die katholische Kirche unternehmen müsse, um wieder populärer zu werden, dann laufen die Argumente und Massnahmen meist auf ein Ziel hinaus: vollere Kirchen.

Damit wird der Eindruck erweckt, der Gottesdienst sei nicht nur die Kraftquelle, sondern auch das Ziel all unserer Bemühungen. Und was wir krampfhaft zu konstruieren versuchen, ist ein spirituelles Perpetuum mobile im Selbstzweck-Modus.

Dass zur katholischen Kirche aber auch die Kultur, das Arbeiten, die Liebe, die Politik (ja, auch die!) und der Genuss (beispielsweise eines guten Trappistenbiers!) gehören, das wird häufig übersehen oder als Nebensächlichkeit geringgeschätzt.

Die katholische Kirche darf ruhig einen Absolutheitsanspruch haben. Allerdings keinen auf Macht, Deutungshoheit und Alleinseligmachung. Sie hat den Anspruch, sich einfach absolut keinem Lebensbereich zu verschliessen und das Göttliche einfach absolut überall entdecken zu können.

Mit dieser Weltoffenheit wird sie letztlich den Genuss des gesamten Lebens vertiefen. Salute – Prosit – zum Wohl!

Text: Thomas Binotto