Kräuter aus dem Kloster

Echtes Johanniskraut

Sammeln soll man diese Sonnenpflanze am besten zwischen dem 21. Juni und dem 15. August, also zwischen Sommersonnenwende und der Kräuterweihe, die anlässlich des Festes Maria Aufnahme in den Himmel stattfindet.

In diese Zeitspanne fällt mit dem 24. Juni auch das Hochfest, das der Pflanze ihren Namen gab: die Geburt Johannes des Täufers.
Das Johanniskraut wächst vornehmlich an Standorten, wo es der Sonne direkt ausgesetzt ist: auf Trockenwiesen, an Weg- und Waldrändern. Bereits der Anblick der leuchtend gelben Blüten mit ihren langen, an Sonnenstrahlen erinnernden Staubgefässen ist eine Freude. Und so wirkt die Pflanze auch als Tee: Ein Teelöffel Kraut (Blätter und Blüten) übergossen mit 250 ml heissem Wasser – fünf Minuten ziehen lassen – hellt die Stimmung auf. Hyper – über, eikon – Bild: Hypericum hebt über die dunklen, depressiven Seelenbilder hinaus. Ein Versuch lohnt sich auch bei Spannungskopfweh, Erschöpfungszuständen und Schlaflosigkeit. Wenn man Blüten und Blätter zerreibt, werden die Finger rot. Dieses wertvolle Öl beschleunigt äusserlich aufgetragen die Heilung von Wunden und Narben und hilft beispielsweise gegen die Infektion mit Herpesviren. Perforatum – durchlöchert – bezieht sich auf die dunklen Öldrüsen an Blüten und Blättern. Wer allerdings über längere Zeit Johanniskraut anwendet, soll die Sonne meiden. Das wäre zu viel des Guten. Öl und Tee tragen die Kraft der Sonne nämlich bereits in sich.

Text: Alexandra Dosch, Theologin