Saxophonist John Voirol

«Jazz ist sehr spirituell»

Zum Kirchweihfest Anfang September weht in der Kirchgemeinde Heilig Geist in Zürich-Höngg der «Jazz-Spirit». Zu Besuch beim Saxophonisten John Voirol in Hochdorf.

Es war eine Schallplatte von John Coltrane, die dem angehenden Elektromechaniker eine neue berufliche Richtung wies. «Diese Musik hat mich so gepackt», erinnert sich John Voirol, «dass ich um alles in der Welt das Saxophon-Spielen lernen wollte.» Nach dem Lehrabschluss folgte der Besuch der Jazzschule Bern. «Im Jazz habe ich von da an meine musikalische Sprache entwickelt.»
Inzwischen ist Voirol ein arrivierter Saxophonist. Er komponiert, arrangiert und tritt als freischaffender Musiker in unterschiedlichen Formationen auf. Daneben ist er als Dozent an der Musikhochschule Luzern tätig.

«Jazz ist die Sprache der Improvisation», sagt er in seinem Haus in Hochdorf LU. «Es ist die ehrlichste und direkteste Art Musik zu machen. Das Wesentliche passiert im Augenblick, die Idee verwirklicht sich im Moment.» Diese Kreativität im Hier und Jetzt fasziniert Voirol immer wieder aufs Neue. «Gestalterisch vielfältig wie der Jazz als Musikform ist auch das Saxophon als Instrument.»
Das Improvisieren ist für den Musiker ein spirituelles Vertiefen: «Zudem heisst es doch in der Bibel, man solle sich nicht um den morgigen Tag sorgen, sondern im Jetzt leben. Genau dies geschieht in der Improvisation: Man spielt die Musik, die jetzt entsteht und die gerade stimmt.»

Vor diesem Hintergrund erstaunt es nicht, dass John Voirol vor 20 Jahren zusammen mit P. Roman Bannwart, ehemaliger Choralmagister im Kloster Einsiedeln, die Jazz-Vesper ins Leben rief. Was damals in Luzern als einfache Vesper mit Jazz-Improvisation begann, hat sich inzwischen über die Schweiz ausgebreitet und inhaltlich entwickelt. «Heute ist die Jazz-Vesper ein Dialog zwischen Psalmen und Jazz – neue Kompositionen und Improvisationen verbinden sich mit den Geschichten und Weisheiten der alten Psalmen», erklärt Voirol. «Musik und Text beflügeln sich gegenseitig.» 

Um vermehrt auch ein jüngeres Publikum anzusprechen, wurden für die diesjährige Jazz-Vesper, die nach Bern Anfang September auch in Zürich aufgeführt wird, von Pierre Stutz Psalmen ausgewählt. «Selbst wer mit der Bibel wenig vertraut ist, spürt in den Improvisationen die urtümliche Kraft der Psalmen. Sie sind eine Sprache, die alle berührt», ist John Voirol überzeugt und greift zum Saxophon. Groovig ist sein Sound, farbig, mal dunkel, mal glückstrahlend. Coltrane ist auch dabei.

Text: Pia Stadler

Angebot laufend

Sa, 1. September:
Kirchweihfest der Pfarrei Heilig Geist, Zürich-Höngg, unter dem Motto «Jazz-Spirit»

15.00 Festbeginn

16.00 Workshop mit John Voirol

18.00 Jazz-Vesper mit John Voirol (Saxophon und Perkussion), Franziska Brücker (Gesang), Nik Jan Gross (Bassklarinette), Pfarrer Marcel von Holzen (Psalmenlesung)

www.jazzvesper.info
kathhoengg.ch