Einleitung

Was alles in «aki» steckt

秋. Mein japanischer Mitbewohner offenbarte mir kürzlich, «aki» bedeute auf Japanisch Herbst. Da passt es ja ganz gut, dass das Jubiläumsfest des aki in den Beginn des diesjährigen Herbstsemesters fällt.

Zugegeben: Als ich zum ersten Mal den Namen «aki» gehört habe, dachte ich eher an eine asiatische Kampfsportart. Und für meine australische Mitbewohnerin wäre Aki der Kosename eines Haustieres. Die Koseform eines ohnehin schon niedlichen Hamsters birgt schon eine arge Verniedlichung in sich. Dieser entgeht man, wenn man das K richtig tief schweizerisch in der Kehle gurgelt. Dieser Klang ähnelt dann wohl eher dem Krachen der Platten, die der asiatische Kampfsportler zerschlägt.

Selbst die «akianer» wissen oft nicht, wo der Name herkommt. «Katholisches Akademikerhaus» klingt dann halt auch schon eher kopflastig-konsonantenüberhäuft. «Hallo, ich bin vom aki» weckt noch Sympathien. «Hallo, ich bin von der katholischen Hochschulgemeinde» war dagegen leider schon ein Grund für eine Absage, als ich bei einem Geschäft nach Resten für unser Foodwaste-Projekt angefragt habe. Bleiben wir also lieber beim etwas unverfänglicheren Haustiernamen.

Nochmals zurück zum Japanischen: Der Kampfsport Aikido in seine einzelnen Bestandteile zerlegt bedeutet: Harmonie (Ai), Lebensenergie (Ki), Lebensweg (Do) – und beschreibt damit gar nicht so schlecht, was das aki sein will: ein Ort, an dem ein harmonisches Gemeinschaftsleben blühen soll, wo man Lebensenergie auftanken und Perspektiven für den eigenen Lebensweg finden kann. Und dabei spielt das Christsein erstmal nicht die wichtigste Rolle. Mein gesamtes, konfessionsloses Mitbewohner-Paket fühlt sich am aki nämlich durchaus wohl.

Text: Silvia Berchtold