Oosterhuis-Liedtag

Im Rhythmus der Gottsuche

Die Lieder von Huub Oosterhuis haben den Kirchengesang erneuert. Ein Gespräch mit dem Zürcher Kirchenmusiker Udo Zimmermann.

forum: Warum ein Liedtag, an dem ausgerechnet Lieder mit Texten von Huub Oosterhuis gesungen werden?
Udo Zimmermann:
Ich denke, den Initiatoren ist es ein Anliegen, dass die Oosterhuis-Lieder präsent bleiben. Es lohnt sich, den Menschen die Texte nahezubringen, die Oosterhuis uns hinterlassen hat. Es ist auch ein Ausdruck der Offenheit der katholischen Kirche in der Schweiz, denn Huub Oosterhuis ist durchaus ein umstrittener Theologe.

Was macht es wert, dass dieses Liedgut präsent bleibt?
Es sind die zeitnahen Texte, die auch aus den heutigen Menschen sprechen. Die Menschen suchen ja nach Gott – und die Texte von Oosterhuis sprühen geradezu von dieser Suche. Das Lied «Ich stehe vor Dir mit leeren Händen, Herr» ist ein Beispiel für die eigene Suche des Theologen und Poeten Oosterhuis und auch für sein Hadern.

Sie erwähnten es bereits, Huub Oosterhuis ist in der katholischen Kirche kein unumstrittener Mann. Menschen, die sich für Erneuerung einsetzen, sind meist umstrittene Leute. Was verdanken wir ihm in unserer Tradition, in der Liturgie?
Das ist schwierig zu sagen. Im Grunde hat er sich ja von der katholischen Eucharistie abgelöst und eine eigene Liturgie entwickelt. Auf jeden Fall verdanken wir ihm lebensnahe Texte. Gerade von diesen sagen seine Kritiker, sie würden sich für unsere Liturgie nicht eignen. Meine Erfahrung ist, dass sich viele der Lieder mit seinen Texten gut singen lassen, zum Beispiel als Eröffnungslied, zur Gabenbereitung oder auch am Schluss einer Eucharistiefeier.

Für welche Kirche, für welche Theologie steht Huub Oosterhuis?
Er steht für eine sehr freie Liturgie. Seine Musik ist ökumenisch und ich verstehe sie darüber hinaus auch als interreligiös. Er spricht zwar klar zu Gott oder zu «unserem Herrn», das ist christlich geprägt. Ersetzt man diesen Namen aber durch ein neutrales Wort, eröffnen seine Texte einen weiten Raum für vielfältige religiöse Zugänge.

Ist Oosterhuis ein Mystiker?
Selbstverständlich. Das bedeutet auch, dass es Zeit und Musse braucht, seine Texte und Gedanken wirklich zu verdauen. Es braucht die Haltung der Meditation, um in die Tiefe einzutauchen. Die Musik dazu hat einen sanften Rhythmus, der textbezogen ist. Über das Verstehen des Textes finden die Sängerinnen und Sänger in den Rhythmus.

Der Liedtag ist also die Einladung, sich Zeit zu nehmen, um diese Erfahrung machen zu können?
So ist es. Es braucht Zeit und es braucht die Gemeinschaft. In der Mehrstimmigkeit und mit kompetenter Klavierbegleitung entsteht dann eine Meditation. Ich habe das erlebt, als ich selbst beim letzten Oosterhuis-Liedtag dabei war. Es war eine tolle Sache.

Text: Veronika Jehle

Angebot laufend

Mit seinem umfangreichen dichterischen Werk hat Huub Oosterhuis (*1933) einen wesentlichen Beitrag zur Erneuerung der Liturgie und zum Gesang der Gemeinde im Gottesdienst geleistet. 2014 wurde er für sein Lebenswerk mit dem Ökumenischen Predigtpreis ausgezeichnet. Der ehemalige Jesuit und Priester ist verheiratet und

Vater von zwei erwachsenen Kindern.

Angebot laufend

«Und wieder singen» – Oosterhuis-Liedtag
Sa, 27. 10., 10.00–19.30 Uhr, Kloster und kath. Kirche Sursee. Anmeldung: 041 926 80 60, sekretariat@pfarrei-sursee.ch

www.pfarrei-sursee.ch