Stolpersteine: Gewissheit

Jenseitsversicherung?

Gerne wollen wir bereits im Griff haben, was erst auf uns zukommt. Deshalb können wir uns hierzulande gegen alles Mögliche versichern. Aber es ist nur bedingt möglich, den Menschen Angst und Leid zu ersparen. Privatleben und Beruf sind immer wieder von quälenden Ungewissheiten geprägt.

Erstaunlicherweise belasten Zukunftsängste viele Menschen im Hinblick auf ihren Tod wenig. Früher war die sogenannte «Heilsgewissheit» ein präsenteres Thema. Man hoffte, sich durch Mitgliedschaft bei der richtigen Kirche, Spenden, gute Werke oder ein geistliches Leben den Himmel zu verdienen.

Doch auch das Jenseits bleibt verborgen und geheimnisvoll. Es kann nur erhofft werden, denn es entzieht sich jeder Gewissheit. Eigentlich wäre es bei all dem Sicherheitsdenken aber nur logisch, sich auch einen «Himmelsvertrag» zu wünschen.

Wäre es einem nicht wohler im Leben, wenn man genau wüsste, was man unternehmen kann, um nach dem Tod in Gottes liebender Gegenwart weiterzuleben?

Wenn es dabei um das richtige Handeln geht, sind sich die Menschen grundsätzlich in allen Weltreligionen über die Grundethik einig: Nächstenliebe und Mitgefühl. Das ist leicht verständlich, bedarf aber der ständigen Überwindung des Egoismus. Freikirchen erwarten von der bewussten Übergabe des eigenen Lebens an Jesus Heilsgewissheit. Aber warum wollen wir im Leben diese grösstmögliche Gewissheit?

Dieses Bedürfnis hat wohl damit zu tun, dass das Leben unberechenbar ist und unserem Handeln auch schlimme Konsequenzen drohen können. Aber müssen wir wirklich dieses Denken auf Gott übertragen?

Gott ist kein menschlicher Vertragspartner, von dem ich misstrauisch eine schriftliche Zusage brauche. Wir dürfen die alten Schatten der Höllenbilder ruhig hinter uns lassen. Gott blickt mit seiner Liebe bis in unseren innersten Kern. Er durchschaut, wenn wir ihn aus Misstrauen festlegen wollen – auch wenn dieses Denken spirituell überhöht wird.

Mangelndes Vertrauen ist auf diese Welt bezogen oft berechtigt und manchmal geradezu lebenserhaltend. Aber Gott ist nicht von dieser Welt. Daher darf ich meine Sehnsucht nach Heilsgewissheit loslassen. Es gibt keine billige Gnade, sondern immer eine ganzheitliche. Ich muss nicht berechnend gegenüber Gott sein. Wovor sollte mir grauen, wenn er doch der Urgrund von allem ist?!

Text: Michaele Madu, Pastoralassistentin Pfarrei Volketswil