Schwerpunkt

Dem Wasser entlang

Schwester Celia Gargate, aufgewachsen in den Anden, ist seit zehn Jahren im Amazonas im Einsatz:

«Ich wusste nicht viel über das Leben hier, als ich angekommen bin. Für mich war es eine neue Welt. Anfangs machte es mir etwas Angst. Die Leute sind ja anders als ich. Ich war gespannt, ob ich mich an das Leben, die Menschen und ihre Kultur gewöhnen könnte. Ich kann aber gut auf Neues eingehen.

Ich stelle mir immer wieder die Frage, ob ich das erfülle, wofür meine Ordensgemeinschaft vor 13 Jahren nach Flor de Punga gekommen ist. Bischof Victor de la Peña, der inzwischen verstorben ist, hat unsere Gemeinschaft eingeladen, in der Pastoralarbeit und in der Evangelisierung mitzuwirken.
Wir hatten den Auftrag, die rund 85 Dörfer (caseríos) der Pfarrei zu besuchen. Wir blieben manchmal eine bis zwei Wochen, manchmal einen ganzen Monat, und besuchten die Feste. In den Dörfern suchten wir nach Personen, Animatoren für katechetische Aufgaben, die auch den Wortgottesdienst am Sonntag durchführen.

Die Distanzen sind gross; davon war ich am Anfang sehr überrascht. In meinem Dorf nimmt man für längere Reisen ein Fahrzeug. Hier geht es über grosse Distanzen nur auf dem Fluss. Am Anfang war das nicht leicht für mich. Aber mit der Zeit habe ich mich daran gewöhnt. So ist es halt. Es gibt nichts anderes.
Von den Besuchen kam ich immer erfüllt nach Hause. Ich war glücklich. Man kommt zwar müde, aber zufrieden nach Hause.

Dann begannen wir mit der Arbeit in der Schule von Flor de Punga. Es fiel mir schwer, nicht mehr bei diesen Besuchen in den Dörfern dabei zu sein. Ich fühlte mich anfangs in der Schule und in Flor de Punga etwas eingeschlossen. Es blieben nur noch der Samstag und Sonntag.
Ich wollte weiterhin in die Dörfer fahren, auch in die Dörfer, die manchmal 18 oder 20 Stunden entfernt sind und nur mit dem Boot erreichbar sind. Ich fühlte mich nicht gut. Doch ich lernte, dass auch unsere Aufgabe in der Schule Evangelisierung ist. Und die Unterrichtsarbeit gefiel mir immer mehr.

Ich wünsche mir, dass mehr Schwestern ins Amazonasgebiet kommen, damit die Besuche in den Dörfern wieder ausgebaut werden können.»