Editorial

Schwieriges Wort – vielschichtige Wirklichkeit

Das Wort «Mission» ist schwer belastet. Das Hilfswerk «missio» interpretiert es deshalb seit Jahren neu. Und Ordensfrauen haben es schon vor Jahrzehnten zu ihrer Emanzipation genutzt.

In einem Beitrag zu seinem Missionverständnis – zu finden auf unserer Website – zitiert Martin Brunner, Direktor von missio Schweiz, Papst Franziskus: «Gehst du, um jemanden davon zu überzeugen, katholisch zu werden? Nein, nein, nein! Gehe, um ihm zu begegnen, er ist dein Bruder (deine Schwester)! Das allein genügt.»

Heute ist das päpstliche Hilfswerk missio ein weltweiter Solidaritätsverbund der katholischen Pfarreien. Alle tragen am 21. Oktober mit ihrer Kollekte gemeinsam zur finanziellen Basis dieser Solidarität bei. Ein Zeichen dafür, dass wir an eine geschwisterliche Kirche glauben und die paternalistische Missionierungskirche hinter uns lassen wollen.

Mission, das war allerdings schon früher eine vielschichtige Wirklichkeit. Ordensfrauen, die nach Jahrzehnten aus den «Missionen» zurückkehren, haben mich stets beeindruckt. Einmal wegen der offensichtlichen Abenteuerlust, die sie selbst im hohen Alter noch ausstrahlen. Dann aber vor allem, weil ich emanzipierten Frauen begegnen durfte, die vor Jahrzehnten fernab ihrer Heimat Aufgaben ausfüllen konnten, die ihnen in der Schweiz verwehrt geblieben wären. Für diese Frauen bedeutete «in die Missionen gehen» auch Befreiung und Selbstermächtigung.

Unsere neue Serie «Ordensfrauen und Abenteuer» ist deshalb auch eine Hommage an diese oft übersehenen Pionierfrauen der Emanzipationsbewegung.

Text: Thomas Binotto