z'Visite

Wie haben sie es mit den Frauen?

Jede Religion kennt verschiedene Strömungen, die je nach kulturellem Umfeld anders gelebt werden. Die Frage, ob Frauen kultische Handlungen ausführen dürfen, wird kontrovers diskutiert. Ein kurzer, nicht abschliessender Überblick.

Judentum

Im orthodoxen Judentum dürfen Frauen während des Gottesdienstes keine kultischen Handlungen ausführen. Da sich die traditionellen jüdischen Gemeinden in der Schweiz an der orthodoxen Ausrichtung orientieren, kennen auch sie keine Frauen als Rabbiner. In den liberalen jüdischen Gemeinden in Zürich und Genf sind Rabbinerinnen theoretisch zugelassen. Es gab bisher aber noch keine Gemeinderabbinerin.

Christentum

Römisch-katholisch: Im katholischen Gesetzbuch CIC lautet der Paragraf 1024: «Die heilige Weihe (zum Priester) empfängt gültig nur ein getaufter Mann.» Begründung: Jesus habe nur Männer als Apostel berufen. Papst Franziskus formulierte klar, dass eine Zulassung der Frauen für die Priesterweihe nicht möglich sei. Die Frage wird trotzdem in der Kirche heftig diskutiert.

Evangelisch-reformiert: In der evangelisch-reformierten Kirche sind Frauen als Pfarrerinnen zugelassen. Aber die Frauenordination wird weltweit nicht überall umgesetzt: Gemäss einer Umfrage der Weltgemeinschaft reformierter Kirchen (WGRK) kennen mindestens 42 ihrer 233 Mitgliedskirchen keine Frauenordination.

Christkatholisch: In der Christkatholischen Kirche der Schweiz stehen Frauen heute alle geistlichen Ämter offen: Diakonat (Diakonin), Presbyterat (Priesterin) und Episkopat (Bischöfin). Eine christkatholische respektive altkatholische Bischöfin gibt es bis heute aber weltweit noch nicht.

Islam

In regionalen Kontexten wie etwa in China, Südostasien, Marokko und Dänemark gibt es schon seit längerem weibliche Imame, die aber meist nur das Gebet von Frauen leiten. Zwei der klassischen vier sunnitischen Rechtsschulen haben weibliche Imame für das Gebet von Frauen akzeptiert. Umstritten ist schon seit Jahrhunderten die Frage, ob Frauen auch das gemeinschaftliche Gebet von Frauen und Männern leiten dürfen. Die Mehrheit der praktizierenden orthodoxen Muslime lehnt dies ab. Aber es ist zu berücksichtigen, dass es diesbezüglich sehr unterschiedliche Positionen und Argumente gibt.

Buddhismus

Im Buddhismus wird im Prinzip kein Unterschied zwischen den Geschlechtern gemacht. Dennoch zeigen sich in dieser Religion patriarchale Züge. Zwar können sowohl Männer als auch Frauen die «volle Befreiung verwirklichen» und geistliche Funktionen ausüben, aber Tatsache ist: Es gibt deutlich mehr männliche Meister als weibliche.

Hinduismus

Unter orthodoxen Hindus sind Frauen als Tempelpriesterinnen nicht erlaubt, da den Frauen der Status der Unreinheit zugeschrieben wird. In modernen Hindu-Bewegungen aber, wie etwa der Internationalen Gesellschaft für Krischna-Bewusstsein, übernehmen Frauen priesterliche Funktionen – so auch im Haus der Religionen in Bern.

Text: z'Visite

Angebot laufend

Donnerstag, 22. November 2018 
Interreligiöses Frauengebet 
Mit religiösen Riten aus dem Christentum, Hinduismus, Islam, Judentum und der Baha’i-Gemeinschaft. 18–19 Uhr, St.-Anna-Kapelle Annagasse 11, Zürich