Editorial

Christus rüstet einseitig ab

Der Bundesrat rudert zurück und will Waffenexporte in Krisenländer nun doch nicht gestatten. Gut so!

Ich stelle mir zwei raufende Jungs auf einem Schulhausgelände vor. Da kommt eine Lehrperson dazu und drückt den Jungs Schlagstöcke in die Hand. – Absurd? – Ja! – Aber als genauso absurd empfinde ich es, wenn ein Land wie die Schweiz, das sich selbst permanent und bisweilen gar penetrant für seine humanitäre Tradition rühmt, Waffen an kriegführende Parteien liefern würde.

Das Rote Kreuz ist ein «Export», der einem friedliebenden Land gut ansteht. Waffen sind es nicht. Wer dagegen argumentiert, wenn es die Schweiz nicht tue, dann tue es ein anderer, oder wer sich selbst beruhigt, weil er ja nicht den Abzug drückt, der handelt nach dem Pilatus-Prinzip. Und diese Haltung, die eigentlich eine Nicht-Haltung ist, die führt geradewegs in den ethischen Bankrott.

Wenn wir das Kreuz in unserer Flagge ernst nehmen wollen, dann verbieten sich allerdings nicht nur Exporte in Krisengebiete, es drängt sich auch auf, aus der Herstellung und dem Handel von Kriegswaffen gänzlich auszusteigen. Dagegen gibt es natürlich ebenfalls Standardargumente. Einseitige Abrüstung gefährde die Sicherheit beispielsweise und das Recht auf Selbstverteidigung. Das mag sein, aber zum Programm von Jesus Christus gehören nun mal die einseitige Abrüstung und der Verzicht auf gewaltsame Selbstverteidigung. Und zwar konsequent bis ans Kreuz.

Text: Thomas Binotto