Regional

Aus der Region – in Kürze

Diskussion am Zürcher Armutsforum, warum viele Berechtigte keine Sozialhilfe beziehen. – Rückblick auf das erste «Chile Festival Züri». – 50-Jahr-Jubliäum der Gemeinschaft Sant'Egidio.

Wenn Berechtigte keine Sozialhilfe beziehen

Jede vierte anspruchsberechtigte Person bezieht keine Sozialhilfe. Zu diesem Resultat kommt eine Studie der Universität Bern. Entsprechend lebt eine grosse Zahl von Personen unter dem Existenzminium. Am 12. Zürcher Armutsforum vom 1. November diskutierten über 170 Teilnehmende dieses Thema sowie Lösungsansätze. Scham sei der häufigste Grund, warum die Sozialhilfe nicht bezogen werde. Dabei sind Risiken für Menschen unter dem Existenzminimum ohne Sozialhilfe erheblich: Gesundheitliche Beeinträchtigung, Verschuldung, beengte Wohnverhältnisse, welche die Bildungschancen der Kinder verringern. Dies alles führe zu hohen Kosten, welche schliesslich von der Allgemeinheit getragen werden müssen, betonte Max Elmiger, Direktor von Caritas Zürich. Die Situation aller Armutsbetroffenen, auch jener, welche keine Sozialhilfe beziehen, müsse wissenschaftlich untersucht werden, damit eine griffige Armutsprävention und -bekämpfung möglich sei, schloss Elmiger. pd

www.caritas-zuerich.ch


«Chile Festival Züri»

Die Premiere des überkonfessionellen Kirchenfestivals vom 16. und 17. November in Zürich zeigte Kirche vielfältig, jung und erfrischend. Mehrere hundert Menschen aller Altersgruppen besuchten die erste Ausgabe. Die Zielsetzung war ambitioniert: Kirche einmal anders erleben und feiern und damit einen neuen Impuls in der Kirchenlandschaft zu setzen. Das Konzept ging deshalb bewusst einen ungewohnten Weg: An fünf dezentralen Orten fanden unterschiedliche Veranstaltungen statt: Eine Kleidertauschbörse, ein Nachwuchsband-Contest, Nacht der Lichter, eine Worship Night und eine Konzertnacht.

«Fast alle Events überzeugten mit Qualität und guter Organisation. Nicht zuletzt auch dank des Einsatzes der zahlreichen Ehrenamtlichen. In der Mobilisierung der neugierigen und interessierten Leute, dem eigentlichen Zielpublikum, besteht aber sicher noch etwas Luft nach oben», zieht Initiator Simon Brechbühler ein kritisches, aber doch zufriedenes Fazit. pd

www.chilefestival.ch


 

Revolution der Herzen

Mit einem feierlichen Gottesdienst begann am 10. November in der vollbesetzten Kirche St. Georg in Küsnacht der Jubiläumsanlass zum 50-Jahr-Jubiläum der Gemeinschaft Sant'Egidio. Beim anschliessenden Podium ging die Theologie-Professorin Eva-Maria Faber vor 150 Interessierten dem Thema «Dienst an Frieden und Gerechtigkeit aus der Kraft des Evangeliums» nach, und Nationalrat Gerhard Pfister sprach «zur staatspolitischen Bedeutung von Glaubensgemeinschaften». Islamwissenschafter Ulrich Rudolph stellte den «Dialog mit den Muslimen als theologische und politische Aufgabe» vor – alles Themenfelder, in denen die Gemeinschaft St. Egidio tätig ist.

Mitten in den 68er-Unruhen war St. Egidio-Gründer Andrea Riccardi überzeugt, dass wirkliche Veränderungen und die Beseitigung ungerechter Systeme nur durch eine Revolution in den Herzen der Menschen herbeigeführt werden kann. Mit Freunden begann er in Rom, Bedürftigen Essen zu bringen und die Kinder zu unterrichten. Bald entstanden in Europa und später auf allen Kontinenten neue Gemeinschaften im Geiste von St. Egidio. Sie engagieren sich weltweit in Krisengebieten und waren massgeblich am Friedensschluss in Mosambik, an der Bekämpfung von AIDS in Afrika und der Errichtung von sicheren Fluchtwegen aus Syrien beteiligt. pd