Editorial

Die Oberfläche ankratzen

Das Brauchtum in der Advents- und Weihnachtszeit ist reichhaltig und wunderbar. Aber es kann uns auch den Blick auf das Ursprüngliche verstellen.

«Alle Jahre wieder kommt das Christuskind auf die Erde nieder.» So singen wir in einem bekannten Weihnachtslied. Und so erlebe ich es seit meiner Geburt. Jahr für Jahr feiern wir Weihnachten. Jahr für Jahr freuen wir uns auf die Bräuche der Advents- und Weihnachtszeit.

Diese Bräuche sind so stark in unserer Kultur verankert, dass sie selbst dann weiter bestehen bleiben, wenn ihr Ursprung vergessen geht. Warenhäuser bieten mehr Adventskalender denn je an – ohne auch nur den kleinsten Hinweis auf Jesus Christus zu verschwenden. Weihnachten ist ein weltliches Fest geworden, das sich offenbar ganz ohne Evangelium feiern lässt.

Anstatt nun vorwurfsvoll mit dem Finger auf unsere Konsumgesellschaft zu zeigen, sollten wir uns an die eigene Nase fassen. Erschüttert uns Weihnachten wirklich so tief, wie es sollte? Wenn im Gottesdienst der Heiligen Nacht nur zwei anstatt die vorgeschriebenen drei Lesungen vorgetragen werden, reklamiert kaum jemand. Wenn dagegen «Stille Nacht» fehlt, hat Weihnachten nicht stattgefunden. Auch wir kratzen nicht gerne an der Oberfläche.

Wir haben uns ein sehr kuschliges Weihnachten gezimmert, in dem die Zumutung des Evangeliums nur noch eine Nebenrolle spielt. Die Krippe war ein erbärmlich kalter Ort, keine heimelige Stube mit festlich geschmücktem Christbaum. Es herrschte bitterer Hunger, nicht die Angst vor Weihnachtspfunden. Anstatt Festtagsruhe wartete eine Flucht ins Ungewisse.

Ja, wir sollten uns an Weihnachten wieder mehr auf seinen Ursprung besinnen. Und damit beginnen sollten all jene, die sich Christen nennen.

Text: Thomas Binotto

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Vor 22 Jahren erschien die Kinderbibel «Mit Gott unterwegs». Die Autorin Regine Schindler (1935–2013) hatte damals an sich selbst hohe Ansprüche gestellt. Es war ihr – wie sie einmal im Gespräch mit dem forum sagte – ein Anliegen, dass «eine Kinderbibel nicht nur religionspädagogisch wirken, sondern auch poetisch, spannend und faszinierend erzählt sein soll. Ich bin überzeugt, dass eine Kinderbibel auch Erwachsene ansprechen muss, und gerade meine Kinderbibel habe ich deshalb ganz bewusst als Familienbuch konzipiert.» Diesen Anspruch hat Regine Schindler mehr als erreicht: Noch heute ist «Mit Gott unterwegs» eine der besten Kinderbibeln in deutscher Sprache.

Bedeutenden Anteil daran hatte der Illustrator Štěpán Zavrel (1932–1999).  Der tschechische Maler war 1959 nach Italien geflohen, wo er bis zu seinem Tod lebte. 1971 gründete er zusammen mit Otakar Božejovský in Zürich den heute noch bestehenden Kinderbuchverlag Bohem Press, der künstlerisch hochkarätige Bilderbücher publiziert.

Das forum hat für die festlichen Titelbilder zu Weihnachten, Ostern und Pfingsten jeweils eine Illustration von Štěpán Zavrel aus «Mit Gott unterwegs» ausgewählt. Seine Bilder richten sich wie die Texte von Regine Schindler primär zwar an Kinder, aber in einer künstlerischen Qualität, die in mehrfacher Hinsicht alterslos ist.

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«Mit Gott unterwegs»
Regine Schindler, Štěpán Zavřel.
Bohem Press (Neuauflage 2014). 281 Seiten.Fr. 39.90.
ISBN 978-3-85581-547-0