Glaube & Wissenschaft

«Magoi»

Naturwissenschaftler kommen in der Bibel kaum vor. Eine Ausnahme bilden die Heiligen Drei Könige, Sterndeuter aus dem Osten.

Im griechischen Original des Matthäus-Evangeliums steht «magoi», was mit unserem Wort Magier unzureichend übersetzt ist. Die «Magoi» oder Magier bildeten den Priester-Stamm der Meder in Mesopotamien und gehörten zur Zeitenwende wohl dem zoroastrischen Glauben an. Ihre Wirkungsorte, die Turmbauten mesopotamischer Städte wie Babylon und Ekbatana, waren religiöse Tempel, politische Archive, aber auch astronomische Observatorien. Als Priesterastronomen konnten die «Magoi» auf jahrhundertealte Keilschrift-Tontafeln mit Sternenbeobachtungen zugreifen. So verstanden sie die Planetenzirkulation und den Saroszyklus, mit dem sich Sonnen- und Mondfinsternisse vorausberechnen lassen. Auf den Tontafeln finden sich auch mit astronomischen Daten verbundene Omen zu politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten.

Es ist durchaus plausibel, dass die «Magoi aus dem Osten» aufgrund von Sternenkonstellation und Omen-Spruch zur Erkenntnis kamen, es sei ein neuer König der Juden geboren. Gut möglich auch, dass sie mit ihren astronomisch ungebildeten Priesterkollegen und deren König Herodes in Jerusalem wenig anfangen konnten – und dass Matthäus die umfassend gebildeten «Magoi» als Gegenmodell zur jüdischen und römischen Elite darstellen will.

Text: Tobias Grimbacher, Naturwissenschaftler und Autor

Angebot laufend

Lesetipp
«Der Stern von Bethlehem in astronomischer Sicht. Legende oder Tatsache?»
Konradin Ferrari d’Occhieppo, Brunnen-Verlag 2003. ISBN 3-7655-9803-8.