Editorial

Der etwas andere Neujahrsvorsatz

Was war im vergangenen Jahr eigentlich mein persönlicher Luxus? Die etwas andere Suche nach einem Neujahrsvorsatz.

Das Wort Luxus mag in unserer westlichen Welt ebenso begehrt wie verpönt sein. Aber Hand aufs Herz: Eigentlich lieben wir es doch alle, dieses Quäntchen Extra, das über Normalität und Mittelmass hinausgeht, unser Leben versüsst und den Alltag auch unter der dicksten Nebeldecke funkeln lässt.

Das braucht weder ein Diamantring noch die Designer-Handtasche zu sein; kein schickes Haus oder schnelles Auto.

«Mein» Luxus war in den letzten zwölf Monaten nicht von materiellen Gütern und Lifestyle-Vorgaben geprägt. Er war purer Genuss, keine Dekadenz.

Luxus war die Zeit, die ich mit den mir liebsten Menschen verbringen durfte; die inspirierende Begegnung in der Nachbarschaft oder auf Reisen durch ferne Länder. Luxus waren die Stunden, die ich mit einem anregenden Buch und guter Musik verträumte; die Kilometer, die ich am See entlang spazierte. Luxus waren die zwei Wochen, die ich als Volontärin im Zoo mit den Lamas und Alpakas, den Seelöwen und dem Fischotter verbrachte, Gehege reinigte, Futter zubereitete, beobachtete, lernte – und abends todmüde, aber zufrieden ins Bett sank.

Luxus war die Kür ohne Pflicht. Und auch das Sein ohne Schein.

Für einmal lasse ich deshalb 2019 die Selbstoptimierungs-Bemühungen sein und nehme mir stattdessen vor, in mein «Quäntchen Extra» zu investieren, das mich glücklich macht.

In der Hoffnung, dass zufriedene Menschen auch friedliche Menschen sind und dass, wer glücklich ist, sein Glück auch weitergibt.

Text: Pia Stadler