Editorial

Kinder verändern uns – und die Welt

Junge Menschen haben eine starke Kraft zur Veränderung. An uns liegt es, diese Kraft aufzunehmen und ihr Entwicklungsmöglichkeiten zu geben – auch wenn es uns selber und unser Handeln herausfordert.

Als Kindergartenkind beschloss unser Sohn, Fan des Fussballclubs GC zu werden – wir wissen bis heute nicht genau weshalb. Jedenfalls hat er mit seiner Begeisterung die ganze Familie überzeugt. Seither drücken wir GC die Daumen.

In einem Maiensäss, «wie der Schellenursli», wollten unsere Kinder Ferien verbringen. Wir verbrachten eine Woche in einer Alphütte, in der wir nachts die Mäuse herumhuschen hörten. Es war nicht die erste Wahl von uns Eltern, aber ein unvergessliches Familienerlebnis.

Kinder haben Ideen und eine starke Kraft zur Veränderung. An uns liegt es, diese Kraft aufzunehmen und ihr Entwicklungsmöglichkeiten zu geben.

Heute gehen junge Menschen für den Klimaschutz auf die Strasse: «Ich will auf diesem Planeten leben können, wenn ich gross bin.» Sie werden weder von Parteien manipuliert, noch wollen sie einfach die Schule schwänzen. Sie werden sich ihrer Kraft zur Veränderung bewusst und setzen sie dafür ein.

Unser 18-jähriges Firmpatenkind wollte in ihrem Zwischenjahr als Flight-Attendant arbeiten und ihre Reisefreude mit dem nötigen Geldverdienen verbinden. Kürzlich sagte sie zu mir: «Fliegen ist ökologisch gesehen das Schlimmste. Ich kann diesen Job nicht mehr machen.» Sie nimmt für diese Überzeugung erneute Unsicherheit, Jobsuche und möglicherweise auch einen tieferen Lohn in Kauf. Schon lange isst sie vegetarisch, zuerst aus Mitleid mit den Tieren, heute auch aus ökologischen Gründen.

Die Jungen erwarten zu Recht konkrete Antworten von Politik und Gesellschaft – von mir und uns allen. Aber sie handeln auch selbst. Dafür bin ich dankbar – und lasse mich herausfordern.

Text: Beatrix Ledergerber