100 Jahre Frauenbund

Milly Zgraggen-Müri (92)

Der Katholische Frauenbund Zürich wurde vor 100 Jahren gegründet. Für jedes Jahrzehnt ein Frauenporträt.

Aufgewachsen ist sie in einer Welt, in der Frauen nicht wählen durften und in der lateinisch gesprochen wurde in der Messe.Frauen in der Kirche: «Das waren die, die gratis putzen mussten.» Gerade heraus sagt sie das, als müsse sie keine Sekunde überlegen, nimmt sich dann aber Zeit, herzlich zu lachen. Milly Zgraggen ist keine Revolutionärin, aber eine, die Veränderungen ermöglicht hat. Sie machte einfach selbstverständlich mit. Wie bei der Einführung des Frauenstimmrechts. Der Katholische Frauenbund habe dazu «sehr aufgeklärt», erinnert sie sich. «Dann hab ich gedacht: Wenn die das sagen, in Gottes Namen.»

Nach der Handelsschule, einer Zeit in England und im Welschland, nach der Heirat und der Geburt von zwei Kindern wurde Milly Zgraggen Katechetin. Hatte sie selbst noch beim Vikar den Katechismus lernen müssen, kam nun aus Deutschland eine neue Schule, den Glauben zu vermitteln. «Da war eine Nonne, die hat nicht nur das Vaterunser und all das gelehrt. Sie hat sich mit den Kindern in die Wiese gelegt und hat in den Himmel hinaufgeschaut. Also: Erlebnis gestalten.» Dieses Modell habe man dann in die Schweiz geholt, die Schwestern in Ingenbohl hätten Ausbildungen dazu angeboten. «Das hat mir gefallen.» Als Milly Zgraggen in Zürich Seebach ihre Stelle antrat, musste sie sich für die neue Art erst einmal einsetzen: Malfarben wollte sie und Orff-Instrumente, Material zum kreativen Gestalten, das war sehr ungewöhnlich. Überlegt habe man auch, ob man ihr dafür etwas bezahlen wolle. «Ich habe dann auch etwas bekommen und musste es nicht nur für Gotteslohn machen.» Sie, die bis heute regelmässig zur Kirche geht und sich niemals vorstellen könnte, auszutreten, weiss, wozu es auch heute einen Frauenbund braucht: «Ja, dass die guten Pfarrer endlich verstehen, dass wir auch noch da sind», sagt’s und lacht wieder herzlich.

Beim Katholischen Frauenbund ist sie seit jungen Jahren dabei. «Ich hab dort gelernt, nicht nur schön brav daheim zu sein und zu kochen. Wir haben Reisen gemacht, Informationen bekommen, sind ins Kunsthaus gegangen», erzählt sie. Wichtig seien auch die Themen gewesen, die man untereinander ansprechen konnte. Kurse zu Gesprächsführung und Kommunikation in der Ehe wurden angeboten, auch Trauerbegleitung. «Ich hab mit diesen Frauen auf Augenhöhe reden können.» Von daher auch ihr Wunsch für den Katholischen Frauenbund zum 100. Geburtstag: «Dass sie immer gute Frauen in der Leitung haben und dass sie es fertigbringen, dass auch junge Frauen das bei ihnen finden können, was ich gefunden hab.»

Text: Veronika Jehle