Meine Sternstunde

Im Bauch des Fischs

Gisela Tschudin, Pfarreibeauftragte Pfarramt St. Martin, Zürich, erzählt von ihrer Sternstunde.

In meinen letzten Exerzitien meditierte ich das Buch Jona. Ich versetzte mich in den Bauch des Fischs: Es ist dunkel, ich kann mich nicht bewegen, weiss nicht, wie viel Zeit vergangen ist und ob ich da jemals wieder rauskomme. Es ist unangenehm und bedrohlich. Ich kann mir viele Situationen vorstellen, in denen es mir tatsächlich so ginge: Krankheit, Trauer, Gefängnis und auch Gottesferne. In Bezug auf Gott sitzen wir doch alle in einem Fisch. Er bleibt uns fremd und verborgen. Die sichtbare Welt, die wir so lieben, ist nur das Innere des Fischs.

Aber: In diesem Dunkel und dieser langweiligen Enge schlägt mein Herz, ich atme und kann beten. Mein Gebet durchdringt den Fischleib und die Distanz; es ist die Nabelschnur, die mich mit der Aussenwelt und mit Gott verbindet. Dank ihr kann ich in jeder dunklen Enge überleben. Und einmal wird mich der Fisch am Ufer eines schönen Landes ausspeien.

Text: Gisela Tschudin

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Ein Licht, das mir aufgegangen ist.
Dieses Mal mit…

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Gisela Tschudin, Pfarreibeauftragte Pfarramt St. Martin, Zürich