Glaube & Wissenschaft

Placidius a Spescha

Placidius a Spescha – umstrittener Priester und leidenschaftlicher Alpinist.

Placidius a Spescha wird 1752 in Trun geboren. 1774 tritt er ins Benediktinerkloster Disentis ein und wird 1782 zum Priester geweiht.

Spescha liebt die Berge. Als ersten Dreitausender besteigt er 1782 den Scopí in der Nähe seiner Seelsorgestelle am Lukmanierpass. 1789 folgt die Erstbesteigung des Rheinwaldhorns. Am Tödi versucht er sich sechs Mal. 1824 begleitet er die Erstbesteiger in die Berge hinein, kommt 71-jährig aber nicht mit auf den Gipfel. Eine von ihm verfasste Anleitung zum Bergsteigen hat bis heute Gültigkeit. Der herausragende Alpinist zeichnet detaillierte geographische Karten. Leidenschaftlich sammelt und systematisiert er Mineralien. Als 1799 französische Truppen die Surselva besetzen, ist seine Mineraliensammlung Teil der Kriegskontributionen. 1804 zerstreitet sich Spescha mit dem neuen Abt. Er wird von einer Pfarrstelle zur nächsten versetzt. Erst 1816 kommt er in Trun zur Ruhe.

Spescha pflegt ökumenische Freundschaften und hält die theologischen Unterschiede der Konfessionen für gering. Sein Traktat wider das Pflichtzölibat für Weltpriester bringt ihm heftige Kritik ein. Zeitlebens setzt er sich für seine rumansche Muttersprache und eine einheitliche rätoromanische Schriftsprache ein. Er stirbt 1833 in Trun – ungeachtet und unbeliebt, verbittert, ein Alpinist, Natur- und Gottesfreund, seiner Zeit in Vielem voraus.

Text: Tobias Grimbacher, Naturwissenschaftler und Autor

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Lesetipp

Placidus a Spescha: 
«Beschreibung der Alpen, vorzüglich der höchsten»
(1823). Edition u. Einleitung von U. Scholian Izeti, Chronos Verlag 2002. 
ISBN 3–0340–0575-X