Denkanstoss

Warum der Schoggihase warten muss

Karwoche und Ostern bieten viele Gelegenheiten, um mit Kindern zu feiern – weit übers Ostereier bemalen hinaus.

In der Osterhasenabteilung machte ich heute bei meinem Lieblingsosterhasen kurz Halt: «Gerne würde ich jetzt in dich reinbeissen!» Gut nehmen Warten und Fasten bald ein Ende. Mit meinen kleinen Kindern liebte ich das Ritual des Nestchenversteckens: einmal lag der Schnee so hoch, dass unser Osterhase sogar mit den Skiern kam, um keine Fussspuren zu hinterlassen – die Kinder beäugten die Spuren sehr genau und waren verblüfft, dass der Osterhase auch Ski fährt. Lange Zeit lautete der Berufswunsch meines Jüngsten: «Wenn ich gross bin, werde ich Osterhase!»

Dass Ostern nicht nur Schokolade und farbige Eier bedeutet, wissen nicht mehr alle Kinder. Und wenn ich im Religionsunterricht die Frage stelle: «Welches ist das wichtigste Fest im Kirchenjahr?», tippen zwei Drittel auf Weihnachten. Dieses Fest hat für viele eine weitaus grössere Bedeutung als Ostern – Weihnachten lässt sich einfach besser verkaufen.

Und deshalb erklären wir unseren Kindern in der Religion die Kar- und Ostertage jedes Jahr. Vor dem Palmsonntag singen wir das Lied «Mached Platz, en König chunt» von Andrew Bond und jedes der Kinder darf selbst einmal auf farbigen Tüchern durch die Reihen der «Gspänli» gehen – einziehen wie ein König, wie eine Königin und sich bejubeln lassen. In der Karwoche basteln wir mit den Jüngeren ein «Ostertrülli» (zwei feste Papiere mit Fenstern der verschiedenen Stationen des Kreuzweges und einer Klammer in der Mitte). Mit den Grösseren gehen wir die Kreuzwegstationen und bringen sie mit dem eigenen Leben in Verbindung.

Am Karsamstagnachmittag laden wir die Familien ein, bemalen Ostereier, verzieren Familienosterkerzen, schreiben Sorgen auf schwarze Zettel und nageln sie an ein Holzkreuz. Dieses Kreuz stellen wir in der «Osterfiir» um 17 Uhr auf und tragen es dann in einer Prozession zur Dorfkirche für den Osternachtsgottesdienst. Es mag pastoral zu früh sein, die «Osterfiir» mit Osterfeuer und Tauferneuerung am hellen Vorabend zu feiern, aber die jeweils über 100 kleinen Pfarreimitglieder würden in der späteren Osternachtsfeier einschlafen. Auf unsere Weise gehen wir mit den Familien den Weg auf Ostern hin, durch die Trauer zur Auferstehung. Um dann den Schoggiosterhasen zu geniessen.

Text: Franziska Keller, Autorin und Religionspädagogin in Einsiedeln