Editorial

Vergesst die Grabesruhe nicht!

Die Ostertage sind zunächst ein Kampf. Ein Kampf gegen den Tod. Und dieser Kampf ist notwendig. Aber er ist nicht das Ziel.

Diesen Kampf muss auch die katholische Kirche annehmen. Ein Kampf gegen tötelige Strukturen. Gegen Machtmonopole. Gegen Sexismus. Gegen geistlichen und sexuellen Missbrauch.

Aber so wie der Kampf Jesu gegen den Tod nicht das Ziel ist, genauso wenig ist der Kampf gegen kirchliche Missstände unser Ziel. An Ostern feiern wir die Auferstehung. Mit Ostern leben wir für eine frohe Botschaft. Ostern verpflichtet uns zum Kampf für das Leben. Für gedeihliche Strukturen. Für Gewaltentrennung. Für Gleichberechtigung. Für den Schutz und die Wahrung der Menschenwürde.

Von diesem Aufbau sind wir im Moment weiter entfernt, als wir uns das vielleicht eingestehen wollen. Noch immer sind wir uns nicht einmal einig, dass es den Kampf braucht. Aber wir werden nicht darum herumkommen. Da müssen wir hindurch-gehen.

Selbst wenn wir das schaffen sollten, wird sich der Friede nicht sofort ausbreiten, wird das Neue nicht sofort Gestalt annehmen. Auch der Einsatz für das Leben, für die frohe Botschaft ist schwierig und braucht all unsere Kraft.

Deshalb sehe ich im Karsamstag einen tiefen Sinn, den wir in unserer Ungeduld häufig übersehen. In der Grabesruhe liegt ein eigentliches Kraftzentrum, das uns sowohl zur Erholung wie zum Auftanken geschenkt wird.

In diesem Sinne wünsche ich uns nicht nur kämpferische Ostertage. Ich wünsche uns vor allem auch Erholung. Damit wir tief Luft holen können. Für all das, was auf uns wartet…

Text: Thomas Binotto