Glaube & Wissenschaft

Christophorus Clavius

Dieses Mal stellen wir Ihnen Christophorus Clavius vor – Mathematiker und Astronom aus dem 16. Jahrhundert.

Christophorus Clavius wird 1538 in Bamberg geboren. Früh tritt er in den Jesuitenorden ein. Zum Studium geht er nach Coimbra in Portugal, wo führende Astronomen unterrichten. Später studiert er in Rom und wird dort 1564 Professor für Mathematik.

Clavius gehört als Chefmathematiker einer Kommission an, die im Auftrag Papst Gregors XIII. eine Kalenderreform vorbereitet. Der bisherige julianische Kalender hat pro Jahrhundert einen knappen Tag zu viel und bekommt eine Regel für wegfallende Schalttage. Ein wichtiger Aspekt der Reform betrifft das Osterdatum, wozu die Berechnung der Mondphasen verbessert und der Frühlingsanfang verschoben werden muss. Der gregorianische Kalender wird 1582 eingeführt, als auf den 4.10. der 15.10. folgt. In vielen nicht-katholischen Regionen findet die Umstellung später statt, in Zürich vom 31.12.1700 (julianisch) auf den 12.1.1701 (gregorianisch).

Als Astronom ist Clavius erster Leiter der Vatikanischen Sternwarte. Mit seinen Mitarbeitern entwickelt er Sonnenuhren und beobachtet – möglicherweise vor Galileo Galilei – die Phasengestalt der Venus. Mit Galilei führt er freundschaftlich-kollegiale Korrespondenz, hält aber an einem geozentrischen Weltbild fest. Seine mathematischen und astronomischen Lehrbücher, vor allem sein Kommentar zu Euklid, sind rege in Gebrauch und tragen ihm den Beinamen «Euklid des 16. Jahrhunderts» ein. 1612 stirbt Clavius in Rom.

Text: Tobias Grimbacher, Naturwissenschaftler und Autor