Kirchenjahr

Auffahrt

Auffahrt Was passiert nach dem Tod? – auf diese Frage gibt es kaum eine konkrete, verständlichere Antwort als jene, die dieses Fest gibt.

Ich erinnere mich an eine Frau, die ich als Seelsorgerin über mehrere Monate im Alterszentrum besuchte. Schwach und alt war sie geworden, nichts wollte mehr Freude machen, und vor allem: Ihr Mann fehlte ihr unendlich.

Sie trauerte und weinte, es war, als wäre sie selbst niemand mehr, seit er tot war. Sie wollte sterben, vor allem aus diesem einen Grund: Unmittelbar an der Himmels- türe würde sie ihrem Mann in die Arme fallen. Wenn alles nichts mehr galt, so war das die Überzeugung, die sie trug. Felsenfest.

Ich war bewegt und berührt. Gleichzeitig meldeten sich in mir Fragen: Und was, wenn nicht? Und was, wenn anders? Gleichen unsere menschlichen Bilder manchmal nicht eher kindlichen Vorstellungen? Angesichts des Glaubens der Frau hatten meine intellektuellen Zweifel keine Bedeutung.

Niemals hätte ich sie damit konfrontiert. Wer bin ich, das Eine und das Letzte in Frage zu stellen, das sie trägt? Und ganz einfach und ganz unmittelbar ist es ja auch meine Hoffnung: dass ich, wenn ich sterbe, an einen Ort des Friedens gehen darf, zu Gott und in die Gemeinschaft aller Geschöpfe, «auffahre in den Himmel» eben, so wie es uns von Jesus erzählt wird.

Text: Veronika Jehle