Bistum Chur

Offene Türen

Bischof Peter Bürcher ist als Apostolischer Administrator des Bistums Chur eingesetzt. Das forum hat sich nach Reaktionen umgehört.

Die Ernennung von Bischof Peter Bürcher zum Apostolischen Administrator für das Bistum Chur war für alle eine Überraschung. In seinem ersten Schreiben erklärt er, dass er zuhören wolle. Wir freuen uns darauf, Bischof Bürcher kennenzulernen und ihn mit dem vielen Positiven in Zürich vertraut zu machen. Auf uns kann er zählen. 

Wir danken Peter Bürcher für die Bereitschaft, für eine Übergangszeit die Verantwortung zu übernehmen. Wir schliessen ihn in unser Gebet mit ein und hoffen, dass mit der Nachfolgeregelung eine für unser ganzes Bistum segensreiche Lösung gefunden wird.

Josef Annen
Delegierter des Apostolischen Administrators für die Bistumsregion Zürich/Glarus

Ich bin aus zwei Gründen erleichtert: Wie oft wurde ich nicht in den letzten Wochen gefragt, ob ich als Synodalratspräsidentin nicht mehr wisse, wie lange die Ungewissheit noch dauere, was für Ränkespiele da abliefen. Und ich konnte nur antworten: «Nein, ich weiss gar nichts. Nein, ich hab keine Ahnung, was läuft. Nein, ich habe keine Infos, wie lange es noch geht.» Jetzt haben wir einen Namen, einen Zeitrahmen und damit etwas Klarheit.

Zum Zweiten bin ich erleichtert, dass der Papst sich für einen aussergewöhnlichen «Apostolischen Administrator» entschieden hat. Unsere Lage ist alles andere als gewöhnlich, «courant normal» wäre die schlechteste Variante. Das liegt nicht nur an der Person des alten Bischofs, sondern auch generell an der Situation unserer Kirche. Neue Wege müssen beschritten werden, weiter wie bisher kann es nicht mehr gehen. So verstehe ich das Zeichen aus Rom. Dafür danke ich.

Bischof Peter Bürcher übernimmt eine schwere Aufgabe. Die Unterstützung der Zürcher Kantonalkirche sichere ich ihm zu. Und ich bete für ihn.

Franziska Driessen-Reding
Synodalratspräsidentin der Katholischen Kirche im Kanton Zürich

Das Forum Churer Priester nimmt positiv zur Kenntnis, dass mit Bischof Bürcher ein Aussenstehender die Geschicke unseres Bistums bis zur Einsetzung eines neuen Diözesanbischofs leiten wird. Das Misstrauen zwischen der Diözesanleitung und vielen in der Seelsorge tätigen Priestern und anderen kirchlichen Mitarbeitenden verstärkte sich in den letzten Jahrzehnten leider zunehmend. 

So kam es in unserem Bistum auch zu einer wachsenden Entfremdung zwischen einem grossen Teil der Gläubigen und der diözesanen Kirchenleitung. Mit dem Blick von aussen vermag Bischof Bürcher vielleicht, den Spannungen und Spaltungen in unserem Bistum entgegenzuwirken. Unsererseits sind wir gerne bereit, einen Beitrag zu leisten für ein gutes Miteinander von Bischof, Priestern, Diakonen, pastoralen Mitarbeitenden und allen Gläubigen.

Wir hoffen, die nächsten Monate bis zur Wahl eines neuen Bischofs werden dazu führen, dass ein Bischof gewählt wird, der den Dialog zu den verschiedenen Strömungen, die auch im Klerus und unter den kirchlichen Mitarbeitenden bestehen, sucht und pflegt. 

Eng mit dieser Hoffnung verbunden ist auch der Wunsch nach der Berufung von gleichermassen führungs- wie dialogfähigen Personen in die Bistumsleitung. Wir möchten als Priester mit dem künftigen Bischof zusammenarbeiten, ihn in seiner Hirtenaufgabe unterstützen und mit ihm Wege suchen, wie das Evangelium in unserer Zeit verkündet werden kann. Das war in den letzten Jahren leider nicht erwünscht.

Andreas Rellstab
Forum Churer Priester


Wenn ein Bischof sein Bistum einigermassen korrekt geführt hat, können nach seinem Rücktritt unter normalen Umständen Wahlen und die Ernennung des Nachfolgers stattfinden. Das ist im Bistum Chur nicht möglich. 

Die Allianz «Es reicht» und andere haben deshalb gefordert, dass nach dem Rücktritt von Bischof Vitus Huonder erst einmal ein Administrator mit bischöflichen Vollmachten eingesetzt werden muss. Das ist nötig, damit in diesem Bistum der Scherbenhaufen einer jahrelangen, verfehlten Personalpolitik aufgeräumt und normale Verhältnisse hergestellt werden können, so wie sie auch in anderen Bistümern der Schweiz herrschen. 

Das Bistum braucht dringend einen Bischof, der wie das 2. Vatikanische Konzil gefordert hat, die Zeichen der Zeit erkennt und mit dem Gottesvolk zusammen eine glaubwürdige und menschenfreundliche Kirche aufbaut und lebt. Die Allianz und andere sind deshalb erfreut, dass in Rom diese Botschaft angekommen ist. 

Jedenfalls so kann man die Ernennung eines Administrators mit bischöflichen Vollmachten deuten. Erstaunen mag allerdings der kurze Zeitraum von einigen Monaten, welcher Bischof Peter Bürcher eingeräumt wurde. Und ob Bischof Bürcher dieser Aufgabe gewachsen ist? Wir hoffen es jedenfalls.

Willi Anderau
Sprecher von «Pfarrei-Initiative» und Allianz «Es reicht»