Bruno Stanek

Ungebrochene Faszination für den Weltraum

Der erste Schritt auf dem Mond war epochal. Der nächste Schritt wird auf dem Mars sein, meint Bruno Stanek, die Schweizer Stimme der Mondlandung vor 50 Jahren.

Bilder, Modelle, Embleme, Plakate, Karikaturen, Berge von Multimedia-DVDs und Büchern … Der unterste Stock im Haus des Raumfahrt-Experten überquillt von Weltraum: Kunst, Materialien und Erinnerungsstücke. «Genug für ein ganzes Museum», lacht Bruno Stanek.

Jeder Gegenstand hat seine Geschichte: Für Space-Art-Künstler Ludek Pesek aus Stäfa hatte Stanek Vernissagen organisiert – und dafür einige Bilder bekommen. Mit der Stickerei, welche die Embleme für die Astronauten-Uniformen produzierte, hat er ein Buch herausgegeben – im Gegenzug bekam er von jeder Serie ein Original. Für seine eigene Vorabend-Sendung am Schweizer Fernsehen «Neues aus dem Weltall» in den Jahren 1975/1976 wurde er in einer Nebelspalter-Karikatur verewigt. Zur Geburt des Sohnes Ganymed schenkte Weltraum-Künstler Ron Miller ihm ein Bild. Fotos aller Darsteller des Musicals «Space Dream» hängen hier zum Dank für Staneks Beratertätigkeit. 80 amerikanische Astronauten und 20 russische Kosmonauten hat er persönlich getroffen, von vielen sind hier Andenken zu finden.

Woher kommt diese endlose Faszination? «Aus dem Sommer 1948», kommt es ohne Zögern. Als Fünfjähriger durfte er eines Abends lange wachbleiben, weil der Vater als Musiker im Seepark Rorschach ein Konzert gab. «Da habe ich den Nachthimmel gesehen, darin ein leuchtend heller Stern.» Niemand konnte ihm die Frage, was das sei, beantworten. «Da musste ich mir das halt selber beantworten.» Sobald er lesen konnte, kaufte er antiquarische Bücher zum Thema Astronomie – «andere konnte ich mir nicht leisten» – später hat Stanek Mathematik studiert, sich aber immer weiter mit dem Thema Weltraum befasst.

Die Kommentierung des Starts von Apollo 7, am 11. Oktober 1968, sei beim Schweizer Fernsehen von einem völlig unvorbereiteten Team bewerkstelligt worden, erzählt Stanek. «Ich sagte mir: warum nicht dem Fernsehen schreiben und ihnen erklären, dass ich alle Informationen hätte und allenfalls behilflich sein könnte?» Beim Vorstellungsgespräch konnte er dann tatsächlich alle Fragen mühelos beantworten, und so kam der 24-Jährige ins TV-Studio und kommentierte zehn Tage später bereits die Landung von Apollo 7. Von da an gab es über lange Zeit keine Weltraum-Sendungen mehr ohne Bruno Stanek.

Der junge Stanek zeigt 1969 am Fernsehen, wie die Mondlandung möglich wurde.

Der junge Stanek zeigt 1969 am Fernsehen, wie die Mondlandung möglich wurde. Foto: srf / zvg

Im Büro von Bruno Stanek zeugt jeder Gegenstand von seiner Begeisterung für das Weltall.

Im Büro von Bruno Stanek zeugt jeder Gegenstand von seiner Begeisterung für das Weltall. Foto: Christoph Wider

Im Büro von Bruno Stanek zeugt jeder Gegenstand von seiner Begeisterung für das Weltall.

Im Büro von Bruno Stanek zeugt jeder Gegenstand von seiner Begeisterung für das Weltall. Foto: Christoph Wider

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Dass einmal Menschen ihren Fuss auf den Mond setzen würden, das war vor über 50 Jahren undenkbar und für viele eine Überschreitung der dem Menschen gesetzten natürlichen Grenzen. Wie hat es Bruno Stanek erlebt? «Ich habe seit 1961 alle Vorbereitungen des Apollo-Programms mitverfolgt, alle Tests, alle Berechnungen. Das wurde sorgfältig vorbereitet. Am 20. Juli 1969, als ich die Mondlandung kommentierte, wusste ich: nur die letzten zehn Minuten, das Hinuntersteigen auf den Mond und die ersten Schritte dort, waren vorher nicht getestet worden. Und ich dachte mir: von der Leiter werden sie jetzt wohl nicht runterfallen.»

Stanek erzählt mit trockenem Humor. Die Skepsis jener, die im Vorfeld fanden, die Mission Mond sei überstürzt geplant und zum Scheitern verurteilt, schreibt er der «Ignoranz der verblüfften Pessimisten» zu. Diese Ignoranz sei von Moskau diktiert worden und linksgerichtete Schweizer Medien hätten ins gleiche Horn gestossen. Davon ist Stanek heute noch überzeugt. Dabei habe man einfach nicht anerkennen wollen, dass «die Amerikaner in der Raumfahrt einfach besser sind». Jene aber, die dank seinem Kommentar verstanden, was ablief, hätten seine Freude an diesem epochalen Schritt geteilt.

Und heute? Ist es klug, für sehr viel Geld Weltraumtouristen ins All zu fliegen? «Nein, klug nicht, aber es finanziert die Entwicklung», kommt auch diese Antwort prompt. Statt mit Geld der Steuerzahler werde mit privatem Geld Forschung betrieben. «Sie zeigen, dass es viel kostengünstiger möglich ist, in den Weltraum zu fliegen.» Wenn also die ganz Reichen dafür Millionen zahlen, warum nicht? «Viele würden sicher gerne die Erde hinter dem Mond aufgehen sehen. Mich würde das bestimmt auf gute Ideen bringen!» Aber, so schiebt Stanek schnell nach, er sei kein Astronaut und überlasse das einer anderen Generation.

Sollten sich die Menschen nicht lieber um die Probleme auf der Erde kümmern, statt ins Weltall zu fliegen? Diese Frage sei falsch gestellt, ist Stanek überzeugt. Der Blick von oben auf die Erde helfe ja gerade, die Probleme zu bewältigen. Dank der Satelliten könne die Abrüstung überwacht und Länder, welche Atomtests machen, erkannt werden. Weltraumschrott ist für Stanek kein Problem: «Sehen Sie, da oben hat es viel Platz!» Angst hätten davor nur jene, «die schon immer in Geometrie schlecht waren». 

In Bezug auf den technischen Fortschritt hält Stanek Grenzziehungen für überflüssig. Gefährlich sei vielmehr das Nichtwissen vieler, die Lügen, welche allüberall verbreitet würden, nicht nur zum Thema Weltraum. Wenn Menschen sich jedoch selbst in die Luft sprengen und damit andere in den Tod reissen würden, dann sei eine Grenze überschritten, die es zu verteidigen gelte. Diese Grenzverletzung geschehe jedoch aus Ignoranz und Glauben, ist Stanek überzeugt. Und Glaube stehe im Gegensatz zum Wissen: Gläubige würden ihre Verantwortung an den Himmel delegieren, statt sie selber zu übernehmen.

Die Zukunft der Raumfahrt und ebenso der Erde – auch in Bezug auf die Ökologie – sieht Bruno Stanek optimistisch. «Die vielen Negativ-Redner haben keine Chance, denn es wird von selbst besser kommen.» Sobald die Raumfahrzeuge soweit entwickelt seien, dass sie wie ein Flugzeug von der Erde weg und wieder zurückfliegen könnten – und das stehe kurz bevor –, werde es für Menschen möglich sein, nicht nur auf den Mond, sondern auch auf den Mars zu fliegen. «Schwierig ist es, aus unserem Gravitationsloch wegzukommen. Aber wenn man mal im Orbit ist, geht es ganz schnell. Und wenn man ein Flugzeug hat, das hinauffliegen, dort nachtanken und weiterfliegen, zurückkommen und wieder wegfliegen kann, dann verändert das alles.» Das wäre dann für Bruno Stanek mindestens so epochal wie der erste Schritt auf dem Mond.

Text: Beatrix Ledergerber-Baumer

Angebot laufend

Vortrag

«Alle schauen 50 Jahre zurück zum Mond – warum nicht fünf in die Zukunft?»

Vortrag von Bruno Stanek. 19.6., 19.00 Uhr, Zentrum St. Franziskus, Zürich. Eintritt: 15.– (Kinder gratis); kostenlose Eintrittskarten bis 14.6. im Pfarreisekretariat.

www.st-franziskus.ch

Angebot laufend

Ausstellung

«Fly me to the Moon»

Ausstellung offen bis 30.6., Di, Fr–So 10.00–18.00 Uhr, Mi, Do 10.00–20.00 Uhr, Kunsthaus Zürich. 

Himmelskarten, Gemälde, Propaganda, Fotografien, Filmszenen zur Mondlandung vor 50 Jahren und zu ihren Auswirkungen.

www.kunsthaus.ch