100 Jahre Frauenbund

Angelika Hecht (60) und Carmela Meier (55)

Der Katholische Frauenbund Zürich wurde vor 100 Jahren gegründet. Für jedes Jahrzehnt ein Frauenporträt.

Auf seiner Website stellt sich der Katholische Frauenbund Zürich vor: Der KFB ist «eine Organisation, in welcher Frauen – unabhängig von Alter, Stand und Herkunft – auf ein gemeinsames Ziel ausgerichtet sind», offen und engagiert für «unseren christlichen Auftrag». Hinter diesem Auftrag stehen Angelika Hecht und Carmela Meier nun in einer neuen Rolle. Sie sind gewählt als Vorstandsfrauen, und mit ihrer Wahl ist der Vorstand vier Frauen stark. Der KFB ist ein Kantonalverband. Vorstandsarbeit bedeutet hier: Vernetzung zu 38 Frauenvereinen vor Ort, Vernetzung zum Schweizerischen Katholischen Frauenbund und zu anderen Organisationen, die sich in verwandten Themen engagieren.

Verschiedene Frauen, ausgerichtet auf ein Ziel – wer die beiden neuen Vorstandsfrauen trifft, findet das bestätigt. Carmela Meier ist Floristin, Angelika Hecht ist Informatikerin. Beide sind sie Mütter, ihre Kinder sind erwachsen. Meier ist Hausfrau, Hecht führt mit ihrem Mann ein Beratungsunternehmen. Seit Jahren sind beide ehrenamtlich tätig: Carmela Meier im Katholischen Frauenverein Herz Jesu Wiedikon, bis zur Auflösung. Angelika Hecht zunächst im Pfarreirat von St. Laurentius Winterthur und nun im Seelsorgerat. Kennen gelernt haben sie sich erst unlängst, im Zuge ihres Interesses an der Arbeit im KFB. «Eine Motivation von uns ist auch, interessante Frauen zu treffen und zusammen etwas Spannendes zu machen», sagt Hecht, und Meier stimmt zu.

Carmela Meier und Angelika Hecht finden sich oftmals in ihren Aussagen, ergänzen sich gegenseitig. Frauen für Frauen, das sei es, was den Frauenbund stark mache. «Die einzige Möglichkeit, in die Zukunft zu gehen, ist, mit den Frauen zu arbeiten und mit den Frauen zu reden.» Der Blick der beiden geht dabei in zwei Richtungen. «Wenn Frauenvereine Angebote machen, bei denen die Kinder einbezogen werden, dann kommen auch junge Frauen», ist Hecht überzeugt. Meier sagt: «Ich möchte auch die Älteren nicht aus den Augen verlieren. Damit sie eine Heimat finden können, damit wir zusammen etwas unternehmen, uns gegenseitig weiterbringen.» In einer Zeit, in der die kirchliche Situation «ganz schwierig» sei, in der viele «wirklich verletzt» seien durch das Wissen um Missbrauch, hätten gerade auch die Frauenvereine eine wichtige Aufgabe. «Wir Frauen leben einfach Kirche», sagt Carmela Meier, und Angelika Hecht ergänzt: «Was hier praktiziert wird, ist gelebtes Christsein.»

Mit ihrem Engagement im Vorstand machen sie dem KFB wohl das grösste Geschenk zum 100. Geburtstag. «Frauen sichtbar machen» – Angelika Hecht und Carmela Meier leben es.

Text: Veronika Jehle