Züri Fäscht

«Ich bin Feuer und Flamme»

Jana Lorenz wird am Züri Fäscht für die Kirche im Einsatz sein – an der «Unfassbar». Das Gefährt für Gespräch und Getränk hat «Kirche Urban» extra für den Anlass nach Zürich geholt.

Was haben Sie gedacht, als Sie den Namen «Unfassbar» gehört haben?
Ich war irritiert. Es hat einen Moment gebraucht, ehe ich verstanden hab, was überhaupt gemeint ist: eine mobile Bar auf Rädern, so eine Art Velo. Ich finde, es ist ein recht cooler Name dafür, und auch passend.

Warum passend?
Weil es etwas anderes ist, als man erwarten würde: Wenn man an die katholische Kirche denkt, kommt man nicht auf die Idee, dass eine Bar herumfährt, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Dieses Unerwartete, das finde ich recht lässig.

Was haben Ihre Freunde dazu gesagt, dass Sie an einer Bar der katholischen Kirche stehen?
Niemand ist gross erstaunt gewesen, weil auch in meinem Freundeskreis viele in der Kirche aktiv sind. Und zwei, drei Leute meinten, sie würden vorbeikommen.

Sie machen das erste Mal mit. Was erwarten Sie sich?
Ich denke, es wird eine Riesenchance sein, mit vielen Leuten ins Gespräch zu kommen, und zwar in einer ungezwungenen Atmosphäre. Gerade auch mit jungen Leuten, die vielleicht überhaupt noch keinen Kontakt mit der Kirche gehabt haben. Es muss auch nicht unbedingt über den Glauben sein. Ich finde es lässig, dass wir eine andere Seite der katholischen Kirche zeigen können.

Eine andere Seite – was meinen Sie damit?
Als junge, aktive Katholikin bin ich eher eine Seltenheit. Ich hab es nach der Firmung recht schwierig gefunden, in der Kirche etwas für mich zu finden. Dabei habe ich absolut Interesse gehabt und weiss auch, dass es manche andere in meinem Alter gegeben hätte – aber es war kein Gefäss da. Ich finde es superwichtig, dass die katholische Kirche nicht vergisst, dass die Zeit nicht stehen bleibt. Es gibt uns Junge und wir haben vielleicht nicht mehr die gleichen Wünsche wie die ältere Generation. Ich möchte nicht, dass wir Traditionen über den Haufen werfen, aber doch, dass wir einiges überdenken.

Was zum Beispiel?
Wie gesagt, gibt es kein grosses Angebot für junge Leute. Und mir ist wichtig, aktiv mitzuwirken, etwas aufzubauen. Bei der Jugendseelsorge oder bei «Kirche Urban», da versucht man, die junge Generation anzusprechen, und da engagiere ich mich gern. Ich möchte nicht einfach gehen, also austreten, sondern das Angebot vergrössern. Für Leute über fünfzig ist es sicher nicht einfach zu verstehen, was die Jungen interessiert. Wenn man schaut, wer die Kirche leitet – da sehe ich keine jungen Leute.

Als Sie dann von der Unfassbar und vom Züri Fäscht gehört haben – war das eine Erleichterung für Sie? Endlich etwas, das jung und zeitgemäss ist?
Ja, auf jeden Fall. Ich dachte einfach nur: Das ist die Chance, das Bild, das viele von der Kirche haben, zu verändern. Kirche, das sind nicht nur stiere Gottesdienste am Sonntagmorgen, Kirche ist nicht nur «von oben runter», oder lehrreich. Kirche ist nicht nur: «So und so musst du leben». Nein. Kirche ist auch einfach ein lässiges Miteinander, das sind Begegnungen und Austausch über Gott und die Welt, nicht abwertend oder ausgrenzend. Ich möchte, dass man sieht: Die katholische Kirche ist etwas Lässiges. Denn das finde ich! Ich bin Feuer und Flamme für die katholische Kirche!

Was gefällt Ihnen daran?
Katholisch heisst ja allumfassend, und das ist etwas Wunderbares. Jeden Sonntag werden in allen Kirchen auf der ganzen Welt die gleichen Texte gelesen. Das gibt eine extreme Verbundenheit, das ist ein riesiges Netz. Für mich ist die Kirche wie eine zweite Familie. Vielleicht hab ich einfach das Glück gehabt, in einer Pfarrei aufzuwachsen, die uns Jungen viele Schritte entgegengekommen ist. Diese zweite Familie, auf die kann ich immer zurückgreifen, die unterstützt mich. Diese Verbundenheit ist doch etwas Wunderschönes.

Kann es sein, dass in Zürich gerade etwas Junges und Neues in der Kirche entsteht?
Unsere Vision wäre das, ja. Ich bin jetzt zwanzig und habe effektiv das Gefühl, dass ich etwas verändern kann. Mir ist klar, dass das viel Arbeit bedeutet. Wir wollen ja keine neue Kirche gründen. Deswegen gibt es viel zu überdenken: Wie können wir das Wertvolle und Schöne zelebrieren, und trotzdem die Türen für Neues öffnen? Das ist nicht einfach, aber wir sind dran. Das Gefühl ist schön – und es könnte noch viel mehr der Fall sein. Junge sollten mehr mitreden können und auch mehr formen. Das Züri Fäscht ist eine gute Gelegenheit, dafür Leute zu erreichen.

Trauen Sie sich zu, so einfach mit den Leuten zu reden?
Ich rede sehr gern. Ja! Ich finde es immer spannend, gar nicht nur, wenn es um den Glauben geht. Und wenn Leute nicht reden wollen, ist das auch in Ordnung.

Was ist, wenn jemand kommt und fragt: Wer ist denn Gott? Was sagen Sie dann?
Dass ich darauf keine schnelle Antwort habe. Ich denke aber, dass diese Person jemand wäre, die ein Interesse hat, und so kann sich dann vielleicht ein Gespräch ergeben.

Und was ist, wenn Sie auf das Thema Missbrauch angesprochen werden?
Das ist eine gute Frage. Für mich ist das so: Dass ich Teil von einer Institution bin, bedeutet nicht direkt, dass ich immer alles gut finde, was innerhalb der Institution passiert. Ich denke, ich darf und muss mich da klar abgrenzen und klar sagen, dass ich da absolut nicht dahinterstehe.

Wie viele andere junge Leute werden mit Ihnen an der «Unfassbar» im Einsatz sein?
Das weiss ich jetzt noch gar nicht. Ich wurde einfach gefragt, ob ich mitmache, und dachte: «Yey, das tönt cool, da machen wir mit!» Ich werde einfach dort sein, mit Leuten reden und auf sie zugehen. Das mache ich gern und das kann ich, glaub ich, gut. Auf den Rest bin ich gespannt. Und auf etwas freue ich mich besonders.

Nämlich?
Auf «Adam's Wedding», eine Band, die am Freitagabend spielt. Sie stammen aus dem Zürcher Oberland, einige auch aus Hinwil. Auf die freue ich mich mega!

Würden Sie ohne «Unfassbar» auch ans Züri Fäscht gehen?
Nein. Ich bin nicht so die Partygängerin. Ich mache es für die Kirche.

Text: Veronika Jehle

Angebot laufend

Jana Lorenz (20) stammt aus Hinwil und ist im Zürcher Oberland aufgewachsen. Über Jahre war sie Ober-Ministrantin und Firmbegleiterin in der Pfarrei Liebfrauen in Hinwil, wo sie bis heute als Lektorin im Einsatz ist. Seit sie näher an Zürich wohnt, engagiert sie sich bei «Kirche Urban» und bei der Jugendseelsorge. Aktuell zum Beispiel für das soziale Jugendprojekt 72 Stunden, das im Januar 2020 zum vierten Mal in Zürich stattfinden wird.

Angebot laufend

Die Kirche am Züri Fäscht

Vom 5. bis 7. Juli feiert die katholische Kirche mit am «Züri Fäscht». Eine temporäre Kirche samt Turm, Paradies-Lounge, Höllen-Bar, Gastrobetrieb, Bühne und ein Showprogramm von Gruppen aus Pfarreien und Missionen wie auch Profi-Musikern sorgen für Feststimmung und vielfältige Begegnungen. Die mit Engeln und anderen barocken Motiven geschmückte Festzelt-Kirche steht direkt am See, am General-Guisan-Quai vis-à-vis vom Kongresshaus, wie schon vor drei Jahren.

Als Höhepunkt wird am Samstag um 17  Uhr Fabienne Louves zusammen mit einem Chor aus Kirchenmitgliedern verschiedenster Pfarreien unter dem Motto «Sister Act am Züri Fäscht» Songs aus «Sister Act» und andere «göttliche Ohrwürmer» zum Besten geben. Am Sonntag um
10 Uhr wird zu einer offenen religiösen Feier eingeladen.pd

Öffnungszeiten Gastrobetrieb und Shows:
Fr, 5. 7., 17.00–03.00;
Sa, 6. 7., 11.00–03.00;
So, 7. 7., 11.00–22.00

www.halleluja-zuerifaescht.ch