Spiritualität ganz alltäglich

Plüschtiere waschen

Michaele Madu, Pastoralassistentin Katholische Pfarrei Volketswil, erklärt was Plüschtiere mit Spiritualität zu tun haben.

«Peanuts», die Comicserie mit Charlie Brown und seinem Hund Snoopy, ist seit Jahrzehnten beliebt. Dort kommt auch der Junge Linus vor. Er ist bekannt dafür, dass er seine blaue Schmusedecke überallhin mitnimmt. Sie gibt ihm Trost, wärmt ihn und lässt ihn abends gut einschlafen. Der verstorbene Zeichner der Comics erklärte einmal, dass sein Sohn als kleines Kind ebenfalls solch eine Decke mit sich herumtrug.

Es gehört bei vielen Kleinkindern dazu, dass sie ein Schmusetuch oder Plüschtier haben, von dem sie sich nicht trennen können. Es gibt ihnen Halt und Heimat – auch noch Schulkindern, wenn sie einmal woanders übernachten. Dabei geht es nicht nur darum, wie sich das Tuch oder das Tier anfühlt und wie es aussieht. Meistens ist der vertraute Geruch noch wichtiger. Plüschtiere oder Nuschis zu waschen, ist daher sehr heikel und wird am besten heimlich gemacht, wenn das Kind es nicht sieht.

Doch der Geruchssinn lässt sich nicht täuschen. Der Verlust ist gross, wenn der «heilige Gegenstand» nach der Wäsche nicht mehr nach Heimat riecht. Doch Gott sei Dank, bald kommt der Geruch wieder wie von selbst. Als Mutter habe ich die schwere Entscheidung, ab wann das Waschen eines Plüschtieres unvermeidbar ist. Auch als Erwachsene verbinde ich mit Gerüchen viele Erinnerungen. Sie können positiv oder negativ sein. Sie reichen vom Parfüm des ersten Freundes bis zum abschreckenden Geruch im Spital.

Der Theologe Leonardo Boff hat ein Buch über Sakramente geschrieben. Interessanterweise schreibt er darin zunächst vom letzten Zigarrenstummel seines Vaters. Immer wenn er daran riecht, sind sofort alle Erinnerungen an den Vater wieder da – bis heute. Unser Geruchssinn ist am stärksten mit dem Langzeitgedächtnis verbunden.

Wir dürfen nicht streng mit unseren Kindern sein, was die Plüschtiere angeht. Eine uralte Sehnsucht nach Geborgenheit ist eben mit Düften verbunden. Erwachsene beruhigen sich ja auch mit Räucherstäbchen oder Duftölen, und man darf diese Hilfsmittel haben. Sie wecken Geborgenheit. Diese Erfahrung kann ähnlich wie ein Sakrament sein. So ist es kein Wunder, dass kirchliche Heilszeichen auch mit Gerüchen von Weihrauch oder Öl verbunden sind und uns so mit dem Ewigen in Berührung bringen.

Text: Michaele Madu, Pastoralassistentin Katholische Pfarrei Volketswil