Editorial

Kirche bewegt (sich)

«Die Züri-Fäscht-Menschenmassen ‹spülen› mich zuerst zum barocken Kirchenzelt der Katholiken und dann an Zwingli vorbei, der neben seiner Bar an der Strasse steht.»

Auch das ist Kirche: festlich, greifbar, mitten unter den Menschen. Damit sie das sein und immer wieder neu werden kann, muss sie beweglich bleiben: wie das am Züri-Fäscht aufgestellte Zelt und die vom Sockel gehobene Zwingli-Statue bildhaft darstellen.

Einige Tage später sitze ich im Hof der Pfarrei St. Felix und Regula bei einem sommerlichen Abendessen. An jedem Tisch sitzen Vertreterinnen und Vertreter von katholischen Kirchgemeinden und reformierten Kirchenkreisen der Stadt Zürich. Sie diskutieren, einander in echtem Interesse zugewandt, wie sie die Ökumene fördern können. Und sie lachen, plaudern und geniessen das feine Essen.

Es wird deutlich: mit dem Reformationsjubiläum, mit Reformstau und Strukturreformen sind Katholiken wie Reformierte beschäftigt. Das soll aber kein Selbstzweck sein. Denn ohne Reformen (Duden: Änderungen vornehmen, um etwas zu verbessern) kann die Kirche ihre Aufgabe nicht erfüllen: Gottes Wort und Gegenwart immer wieder neu in jede Zeit und Gesellschaft hinein zur Sprache bringen und erlebbar werden lassen.

Wer weiss: vielleicht stehen am nächsten Züri-Fäscht die Zwingli-Statue und das barocke Kirchenzelt nebeneinander? Und erzählen gemeinsam, dass Kirche auch sommerlichfrohes Beisammensein ist, das Kraft und neue Lebensfreude gibt.

Text: Beatrix Ledergerber-Baumer